Grass übertreibt maßlos, wenn er meint, Israel wolle das iranische Volk auslöschen. Es geht Israel nur darum, es genauso zu demütigen, dominieren und kontrollieren wie das Volk in Gaza.
Grass liebt prägnante Stories, er ist ein Erzähler und leider kein Analytiker, schon gar kein Selbstanalytiker. Das hätte ihm den Umgang mit seiner Vergangenheit ermöglicht.
Aber es macht mich doch wundern, wie es möglich ist, dass die Bundesregierung Israel nun schon das 6te Dolphin-U-Boot liefern lässt und auch mitfinanziert mit ca. 200 Millionen - ohne dass die Justiz eingreift und eine solche Regierung hinter Schloss und Riegel setzt. Ist das doch ein klarer Verstoß gegen das Kriegswaffenexportverbot in Krisenzonen. Klar wird mir wieder einmal der Opportunismus dieser Justiz – sie dient jedem Regime, solange sie ihre Vorteile gesichert sieht.
Es wundert mich auch, dass sich R. Seligmann auf eine Position zurückziehen kann, Israel wäre wie alle anderen Staaten auf Gewalt und Raub gegründet und ihm stünden daher die gleichen Rechte wie anderen Staaten zu. Diese Staatsbegründung war üblich bei Faschisten - „Landnahme“ - und rechten Staatstheoretiker wie etwa C. Schmitt. Zynisch indes, wenn so genannte Demokraten diese Positionen vertreten. Sie geben zu erkennen, dass Demokratie eben nur eine Form der Herrschaft von Eliten ist.
Auch hat die Grass-Debatte deutlich gemacht, wo in Deutschland die Frontlinien verlaufen. Hier ist die hypermoralische Elite, die die Schuld ihrer Eltern mit einem Philosemitismus auf Kosten der Palästinenser kompensiert und sich dabei gleichzeitig vom dummen und „faschistischen“ Volk abgrenzt, - dort sind die naiven Leute, die im Unrecht Unrecht sehen und nicht mehr.
Interessant auch, dass die Partei der Linken diesen Antifaschismus kultiviert, als sie die Klarsfeld gewählt hat. Aber wer das Recht Israels gegenüber den Palästinenser für wichtiger hält, kann auch keinen Begriff von sozialer Gerechtigkeit hier haben. Und ist für mich nicht wählbar.
Sonntag, 15. April 2012
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