Dienstag, 28. September 2010

HARTZ 4


Im Zusammenhang mit den Diskussionen um die angebliche Hatz4-Erhöhung lese ich von einer Statistik der EVS, schaue mir die näher an:
und sehe dort auf Seite 32 Erstaunliches:
 
Einkommen und Einnahmen sowie Ausgaben privater Haushalte 2008
1.2 nach der sozialen Stellung der Haupteinkommensbezieher und –bezieherinnen

Ausgabefähige Einkommen und Einnahmen
Davon nach der sozialen Stellung der Haupteinkommensbezieher/-innen

Haushalte insgesamt:             2 965
Selbstständige:                       4 241
Beamte/Beamtinnen:             4 460
Angestellte:                             3 551
Arbeiter/-innen:                       3 107
Arbeitslose:                             1 213
Nichterwerbstätige:                2 316
Rentner/-innen:                       2 150
Pensionäre/Pensionärinnen:  4 385

Jemand, dem ich das erzähle, zweifelt an den Zahlen. Ich weiß auch nicht, ob ich es glauben will. Aber es könnte ja sein und würde diese Gesellschaft und was in ihr vorgeht doch sehr gut erklären. Würde mir erklären, wenn ich herumgehe und die Häuser, die Villen, die Besitztümer, die Läden usw. anschaue – etwas, was ich mir abgewöhnt habe überhaupt noch wahrzunehmen, weil es nicht zu meiner Welt gehört.
Natürlich erscheint angesichts dieser Zahlen das Hartz4Geschachere der Regierung und der Mehrheit der „Bevölkerung“, von denen fast zwei Drittel für Senkung oder Beibehaltung des alten Hartz4Satzes ist, ausgesprochen schäbig, kleinlich und asozial.
Aber ich bleibe dabei: Statt sich um Cents für das oder jenes einzusetzen, sollten die linken Sozialarbeiter sich auf eine anständige Berechnung des zum Leben Notwendigen konzentrieren und diesen Satz dann für alle fordern;
Hartz 4 für alle!

Sonntag, 19. September 2010

LANDGERÜCHE

Landluft, sie riecht, sie stinkt aber auch. Da ist das Heu, der Waldgeruch, der bei Nacht durch das offene Fenster zieht, der Geruch von Kuhstall, von Pferden.
Dann aber der Gestank der Schweine, die hier in Fabriken zu Hunderten gehalten werden. Oft weit draußen außerhalb der Siedlungen. Nur der Gestank und die Schreie verraten sie. Das ist der Fraß für die Deutschen. 54 kg schlingt der Durchschnittsdeutsche im Jahr herunter, pro Tag also so 150 Gramm. Wenn mich das ekelt, ist das nicht wegen einer Tabuisierung des Schweins und seines Fleischs, sondern wegen der dummen und rücksichtslosen Gier, mit der diese Deutschen die damit vollen Einkaufswagen vor sich und ihren Fettbäuchen herschieben, die Gedankenlosigkeit, mit der sie die verwürzten Würste in sich hineinstopfen. Abgesehen von der Barbarei, mit der die Tiere gehalten werden. Hier wird der Auftrag der christlichen Bibel konsequent fortgesetzt: „Macht euch die Erde untertan“!
Je weniger Einkommen, desto mehr Fleisch wird gegessen.
Von der alten Kuhstallatmosphäre mit diesem spezifischen Geruch, einer Mischung aus Stroh, Heu und Mist, ist nicht viel geblieben. Es sind Fleisch- oder Milchindustriehallen. Früher war mancher Stall ganz aus Holz, verbreitete ein Gefühl von Wärme, so dass die Menschen oft ihre Schlafzimmer über dem Stall hatten oder sich wie bei Zola in „Die Erde“ an Winterabenden im Kuhstall trafen, um sich dort Geschichten zu erzählen oder sonstwie den Abend zu verbringen. Meine Kindheitserinnerungen an den Hof einer Großmutter sind die an eine magische Traumzeit.
Neuerdings kommen auf dem Land die Biogasanlagen dazu. In den letzten 6 Jahren hat sich ihre Zahl verzehnfacht, großzügig gefördert mit 6/8 c/kWh. Inzwischen gibt es keine brachliegenden Flächen mehr, es wird schwierig Pachtland zu finden. Zwar mag CO2 und sonstiger Klimakillergasausstoß gegenüber Heizöl auf etwa die Hälfte reduziert werden, aber die großen Flächen von Maismonokultur verbrauchen mit fossilen Brennstoffen produzierten Dünger, verbrauchen die begrenzten Phosphatvorräte, benötigen Pestizide – und verbreiten Gestank und den Lärm der Kraftwerksanlagen, der überdimensionalen Transportmaschinen, die im Umkreis von 20 km ihre Fracht heranfahren.
Der Geruch der Erde ist vermengt mit Diesel. Der spezifische Geruch der Kartoffelernten ist kaum mehr zu erleben. Der Geruch des reifenden Getreides war für mich schon seit Kindheit verbunden mit den Pestiziden, die man darauf spritzte.
 
Der Kapitalismus hat verschiedene Gesichter:
durch immer fortschreitende Rationalisierung vereinfacht er das Leben. Hat 1900 ein Bauer vier Menschen ernährt, so sind es heute 143 (2004).
dafür wird die Natur zur Industriefläche, verliert ihren autonomen Charakter, genauso wie die Menschen ihre Autonomie verlieren und zu einer Funktion der Arbeit und des Gelderwerbs werden.

Von den ca. 17 Mio. landwirtschaftlich genutzter Flache werden über 2 Mio. für Energiepflanzen genutzt, also ca. 12%. Damit werden ca. 10% des heutigen Energiehungers befriedigt. Selbst wenn sich das verdoppeln ließe, würde das nie ausreichen. Es gibt nur einen Weg: Energieverbrauch reduzieren, SPAREN!! Oder Krieg, Klassenkrieg und Barbarei.

Freitag, 10. September 2010

SARRAZIN ODER DIE GROSSE HEUCHELEI

Vor allem von der angeblich linken Seite wird gegen Sarrazin polemisiert, ungefähr in dem Ton: Rassismus, Faschismus und dergleichen mehr. Klar, dass Sarrazins Äußerungen über Vererbung Schrott sind, auch wenn die große Mehrheit daran glaubt, vor allem die große Mehrheit der Lehrer. Grade sie machen täglich die Erfahrung, dass sie mit den Schülern ihrer Schicht viel besser arbeiten können als mit den „Chaoten“ der Unterschicht. Was mir einmal ein Lehrer gesagt: „Ein guter Lehrer erkennt sofort in einer Klasse, wer gut oder schlecht abschließt“ ist pädagogisches Allgemeingut, ein Grund sich um die Schlechten gar nicht mehr zu bemühen.
Warum begreifen diese scheinbar Linken nicht, dass was Sarrazin da sagt, doch „Common Sense“ ist. Wie ist es möglich, dass der eine demokratische Grundüberzeugung hat, der immer nur irgendwelche Führer beschuldigt? Er hat einfach keine demokratische Einstellung. Er ist überzeugt, dass Politik ein Kampf der Eliten ist und dass er natürlich zu diesen Eliten gehört. Das ist das Elend aller Verschwörungstheoretiker: sie glauben tief im Innersten nur an die Macht und an die Mächtigen. Die Entwicklung dieser „Sozialisten“ ist historisch durchgespielt. Es kommt bei ihnen auch hinzu, dass sie Erfahrungen, die Menschen zu diesen Einstellungen und Irrtümern führen, nicht ernst nehmen, weil sie nicht mit Menschen reden wollen, weil sie sie nicht ernst nehmen, weil sie alle außer den Mächtigen für Idioten halten, weil sie nicht argumentieren können oder wollen. Schlimmer noch, weil sie überhaupt nichts verändern wollen, weil sie Feindschaften genauso lieben wie ihre Feinde.
Aber um ehrlich zu sein, ich glaube an die Unveränderbarkeit dieser „Linken“ genauso wie an ihre erworbene Dummheit. Es lebt sich so schön im linken Milieu, an seine Geschlossenheit und Unzugänglichkeit, seinem erlesenen Elitemilieu und den vielen Ausschließungsmerkmalen. Nicht Jeder soll dazugehören. Geschlossene Gesellschaft. Abgrenzung. All das, was sie an Sarrazin so bemängeln.
Oft sind es die gleichen „Linken“, die in ihren Berufen in asymmetrischen Beziehungen zu anderen Menschen stehen, sei es als Lehrer, Betreuer, Erzieher, Sozialarbeiter usw. Genauso wie sie an die Intelligenz und ihr Primat glauben, so glauben sie – und das noch viel mehr – an ihre eigene Intelligenz und Überlegenheit.
Warum nicht die Frage stellen, was hinter den Ressentiments gegen Fremde ist, diese Mischung verschiedenster Gefühle? In welchem Verhältnis sie zu Verstand und Moral stehen, was auf biografischer Erfahrung, Charakterbildung und Charakterlosigkeit aufbaut, was an gewaltsamer Vergesellschaftung und was an sozialer Verwahrlosung, was an dem Einfluss von Medien und was an Kommunikationsdefiziten. Warum nicht, bevor man zum Moralisieren übergeht oder nach der Moral ruft, zuerst bei der Erkundung des Wissbaren, dem „wissenschaftlichen Sozialismus“ bleiben?