Sonntag, 9. September 2012

Judith Butler


Judith Butlers Kritik an der deutschen antiimperialistischen israelkritischen Linken, sie fördere mit ihrer prinzipiellen Kritik am Staate Israel den Antisemitismus und verwehre den Juden ein Rückzugsgebiet, Sanktuarium, ist deswegen daneben, weil der Bezug auf Rasse, Volk etc. gerade eine solche Volkstumsideologie unterstützt, die sie in der negativen Form des Antisemitismus bekämpft. Weswegen Israel ein sicherer Hafen sein soll, erschließt sich mir schon gar nicht. Die endlose Aufrüstung Israels und die Demütigung seiner Gegner führt langfristig ohnehin zu seinem Untergang. Wer auch nur ein wenig historische Verlaufe kennt, weiß, was langfristig bestehen bleibt und was nicht. Unrecht hat keine Dauer oder wird durch ein anderes abgelöst.

Was Judith Butler vor allem verkennt ist die Avantgardestellung Israels als Vorposten in und gegen die dritte Welt. Klar ist die demonstrative Differenz: des Lebensstandards, die Bereicherung durch die Ausbeutung umliegender Länder, die Degradierung und Ungleichbehandlung derer Buerger. Ein Toter Israels ist so viel wert wie viele der anderen usw. Hier werden exemplarisch Maßstäbe demonstriert, ähnlich denen der USA in ihren Kriegsgebieten, ähnlich den Lohnunterschieden von europäischen Ländern zu asiatischen usw.

Der entscheidende Grund dafür, dass diese gedemütigten Länder sich nicht wirksam dagegen erheben können, liegt darin, dass sie in sich noch hierarchischer und unterdrückter strukturiert sind, wie die Megapower, die sie insgeheim bewundern und verehren. Sie träumen, so zu sein wie sie.

Inwiefern stellt der Staat Israel eine Demütigung für die dritte Welt dar?

Die erste Welt demonstriert ihre Höherwertigkeit, indem sie in Palästina einen historischen Freizeitpark für die jüdische Religion einrichtet, dabei palästinensische Gebiete besetzt, enteignet und deren Insassen vertreibt, weil es abstrusen Vorstellungen amerikanischer Evangelikalen entspricht.
Es ist enttäuschend, dass eine solch intelligent argumentierende Frau Linkssein auf Armutsbekämpfung reduziert. Das ist der Blick der Ersten Welt.