Kritiker von Merkels Sparkurs kommen vor allem von der linkskeynesianischen Seite. Also: Steuern für die Reichen erhöhen, öffentliche Ausgaben steigern. Klar - das Rad der Zirkulation lässt sich schneller und effektiver drehen. Aber welche Richtung soll immer mehr Wachstum haben? Kein Problem, so die Abkömmlinge Brandts wie Müller, politisch ließe sich vieles regulieren. Aber wie glaubhaft sind die Regulierungsvorstellungen dessen, der keine ökologische Krise sieht, ganz abgesehen von einer demokratischen Gesellschaftskrise? Der also alles nur so weiterlaufen will, wie es bist jetzt der Markt bestimmt hat.
Ich nehme als Beispiel Spanien. Innerhalb des letzten Jahres nahm die Zementproduktion um ca. 30 % ab. Was kann diesem Land besseres passieren? Jetzt hat das Land endlich eine Chance, sich Gedanken über Vollbeschäftigung, Stadtplanung, Wohnen, Naturschutz, Verteilung der nationalen Ressourcen zu machen. Stattdessen aber eine fruchtlose Diskussion über pro oder contra Austerität, nicht über sinnvolle und sinnlose Investitionen. Die Arbeitslosen, die sicher eine bessere, wenn nicht sogar überhaupt eine soziale Absicherung bräuchten, verlangen Arbeit, egal ob destruktiv, sinnlos oder nachhaltig. - Ich lese spanische Presse: dort keine Alternative, das übliche Rechts-Links-Geschachere. Die einzige reale Alternative: Juan Manuel Sánchez Gordillo in Marinaleda. Die PSOE vollkommen geistlos.
Ganz absurd die Unabhängigkeitsbewegung in Katalonien. Dort versuchen rechte bürgerliche Nationalisten von ihrer Klassenpolitik - Erwirtschaftung ihrer Profite mit andalusischen Gastarbeitern - , ihrer Unfähigkeit zu wirtschaftlich sozial gerechten Konzepten abzulenken und die sogenannte “linksnationalistische” - ein Widerspruch in sich - ERC macht mit
Auch die Linke hier kann nicht konkret denken.Zahlen statt Gebrauchswerte.Statt im Reichtum das Problem zu sehen, klagt sie über die Armut.
Montag, 26. November 2012
Sonntag, 11. November 2012
Überlegung
Hat meine Einstellung - basisdemokratisch, seine Psychologie reflektierend, orientiert an Prinzipien von Gleichheit - irgendeine Chance politisch praktisch zu werden?
Ist ein Überleben nur über ein partielles Bündnis mit bestehenden Institutionen möglich?
Oder sind die Kräfte des Bösen, also die Biologie des Egoismus, des physischen Überlebens, der “Art”-Erhaltung so stark, dass sie jede Idee einer solidarischen mitmenschlichen Gesellschaft und Zukunft zerstören werden?
Oder werden als Ausgleich gegen diese Kräfte immer wieder Ideen erzeugt werden, die meinen entsprechen.
Sind die sozusagen immanent transzendent, in dialektischer Manier in der Natur/Unnatur des Menschen so angelegt. Natur/Unnatur meint, dass der Mensch ein egoistisches Raubtier ist und gleichzeitig vorausdenkend und überindividuell denkend, da sein Bewusstsein etwas von der Gesellschaft erzeugtes ist, auch wenn sein Körper ihn immer in eine egoistische Richtung treiben: der Hunger, das Überleben, der Sex, die Wut, die Selbstliebe usw. - eben, was auch “Sünde” genannt wurde.
Wir haben eine biologische Natur, wir sind theologisch gesprochen in Sünde geboren, ohne diese Natur kein Leben, aber auch keine Erkenntnis - sie baut auf den Bildern der Welt auf und strukturiert sich durch die Begehrlichkeiten und das Verlangen des Körpers. Das Eine ist ohne das Andere nicht denkbar.
Manchmal möchte ich radikale Schnitte machen, das Gute vom Bösen trennen können, die Wahrheit von der Lüge usw. - aber die Abgrenzungen sind schwierig, sie müssten auf etwas Besseres verweisen. Das in Momenten der Wut darüber, was sich hier alles abspielt.
Wie lässt sich aber im Schatten der erfolgreichen Zerstörer von Natur, menschlicher Perspektive, Solidarität überleben?
Sonntag, 4. November 2012
Armutsforscher
Ich höre eine Sendung, in der verschiedene Armen über ihre Erfahrungen berichten, immer wieder “sachverständig” kommentiert von einem Professor, “Armutsforscher” genannt. Der Professor fordert mit Recht eine Bürgerversicherung, Mindestlohn. Aber wie Armut definiert wird, ist widerlich: “Gesellschaftliche Teilhabe”, Oper- und Theaterbesuch, Mitreden in bürgerlichen Medien. Die bürgerliche Mittelschicht definiert mit ihren Mitteln, die sie mit den Medien in ihrer Macht hat, was Gesellschaft, was Teilhabe ist und was nicht, was der Mensch braucht und was nicht. Diese Klasse versucht den Armen ihre letzte Würde zu nehmen, nämlich ohne diese bürgerlichen Standards auszukommen: ihr Theater, ihre Oper, ihren Konsumstandard und ihre “Gesellschaft”. Statt den Standard des bürgerlichen Reichtums, seiner “Kultur” in Frage zu stellen, wird dessen Fehlen beim Armen ihm als Zeichen seiner Minderwertigkeit aufgeschwätzt, als bedürfte es dieser Kultur um geschichtlich vorwärtszukommen. Die Armen sollen zum Klientel des fürsorglichen Sozialstaats herabgestuft und kulturell demoralisiert werden.
Dabei haben sie die Fähigkeit, mit dem Vorhandenen zurechtzukommen, haben das Bewusstsein, dass alles, was konsumiert wird, auch produziert werden muss, dass es nichts umsonst gibt und dass das Problem die Reichen sind und nicht die Armen.
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