Montag, 19. Juli 2010

HAMBURG WILL „LERNEN“

- Die Mehrheit kam durch Demagogie zustande: "Wir wollen lernen", also die Gegner wollen nicht lernen. Das sind also Faulenzer, Dummköpfe usw.

- Die Abstimmung erfolgte in der großen Mehrzahl über die Briefwahl, also vom Bildungsbürgertum, das sich langfristig orientiert, in Ferien nicht anwesend ist.

- Die Mehrheiten spiegeln die Bildungsnähe wieder. Je mehr Sozialleistungsempfänger, desto geringer die Wahlbeteiligung.
Die ausgebliebene Unterschicht geriet in einen doublebind. Aif der einen Seite vergötzen gerade sie Leistung – man studiere Körperkult, Sportmentalität – auf der anderen Seite müssten sie sich nach eigenen Kriterien als unter ihrem Anspruchsniveau empfinden. Der Konflikt lässt durch Ignorieren lösen.

- Dass sich durch Bildung die gesellschaftlichen Verhältnisse ändern lassen, wird als Illusion empfunden – und ist es auch.

- Die Ausweitung der Bildung stärkt gerade die Schicht, die die Unterschicht permanent bevormundet. Politiker, schon gar nicht Grüne, sind nicht glaubwürdig.

- Die Unterschicht sieht keine Möglichkeit von gesellschaftlicher Autonomie. Es lebt sich besser im gesellschaftlichen Abseits als in permanenten sozialen Konflikten - und im Klassenkampf.

Freitag, 9. Juli 2010

Vuvuzelas

Seltsames am Rande: In einem Freien-Radio-Interview meint ein Antideutscher, Vuvuzelas wäre schon deswegen ein zivilisatorischer Fortschritt, weil man dann die deutsche Nationalhymne nicht verstehen könnt. Überhaupt gehörten Vuvuzelas zur afrikanischen Kultur... – Ich war mehrere Jahre im südlichen Afrika und habe nie und nirgends eine Vuvuzela gehört, wohl aber viel christliches Gospelsingen, die polyrhythmisch begleiteten Gesänge bei Fußballspielen, Trommeln und natürlich Highlife-Pop, etwa von Thomas Mapfumo in Harare mit seinen Blacks Unlimited, aber auch die vom zentralen Afrika beeinflussten „Rumbas“ . Ein Beispiel von Musikalität mit einfachen Mitteln : http://www.youtube.com/watch?v=-5OFPEhkn2c&feature=related .
Vuvuzelas zeigen die Barbarisierung des afrikanischen Kontinents. Auf der einen Seite die neokoloniale Oberschicht, brutale und skrupellose Ausbeuter, auf der anderen Seite die verelendeten Massen, deren kulturelle Autonomie auf das Primitivste und Gewaltsamste reduziert ist.

Ach ja Deutschlands Gewerkschaften und ihre Trillerpfeifendemonstrationen

Donnerstag, 8. Juli 2010

Danke, Herr Löw

Sie haben mir mit der Niederlage Ihrer Mannschaft den Anblick dieser Merkel erspart, wahrscheinlich wieder neben Ihrem Korrumpel und Polygamisten Zuma. Jetzt muss sie sich eben woanders duschen.
Peinlich auch, dass die Multikultiphrase mit dem CDU-Schleim drüber nicht hingehauen hat. „Wir sind alle Merkel-Fans“ hat Löw vorher noch getrötet. Schön, dass Ihr eine draufbekommen habt.
Noch schöner und das wahre Sommermärchen wäre es, wenn nun die Menschen hier aufstehen würden gegen die schleichende Einführung der Kopfpauschale. Diesmal offensiv, kreativ, mit flacher Hierarchie und ohne 6 Millionen-Vertrag, wie ihn dieser Zinnsoldat von Trainer verlangt.

Dienstag, 6. Juli 2010

Lust zu arbeiten

ist bei mir eher selten. Was ich derzeit am liebsten mache, ist rumhängen, mich von Gedanken leiten zu lassen, nicht organisiert voranschreiten, sondern surfen, nachdenken, formulieren, dann wieder einem anderen Gedanken nachhängen, unsystematisch, nicht zielvoll effektiv.

Arbeit, wie sie andere Leute machen, war mir immer zuwider. In der Schule habe ich zwar die Hausaufgaben gemacht – unter Überwachung – aber nicht mit Lust, eben gelangweilt. Die Schule hat mir Angst gemacht, wenig Spaß.

Bei Ferienarbeit bin ich zwar pflichtgemäß immer pünktlich erschienen, aber ich war froh, wenn sie vorüber war. Selten habe ich Arbeiten gehabt, wo ich nicht jeden Tag bis zum Ende, wenn nicht sogar jede Stunde gezählt habe.

Mein Studium habe ich so organisiert, dass ich einerseits die Pflichtanteile mit Anstrengung erledigt habe, aber nebenbei oder hauptsächlich mich Sachen gewidmet habe, die mich interessiert haben. Und es hat mich eine Menge interessiert. Erst in einem fortgeschrittenen Stadium fielen mir die Pflichtanteile des Studiums, Seminare, Referate usw. leicht und ich habe sie mit Lust gemacht.

Wenn ich die Nachbarn jeden Morgen bienenfleißig zur Arbeit fahren höre, frage ich mich, wie sie es schaffen mit dieser Selbstverständlichkeit zur Arbeit zu gehen. Die meisten Jobs, die ich gemacht habe, waren für nur möglich mit der Aussicht, sie irgendwann, sei es nach 2 oder 5 Jahren zu beenden. Die meisten Menschen werden zu ihren Jobs gezwungen. Haben sie sich dann daran gewöhnt, machen sie es dann seltsamerweise zu ihrem Selbst, identifizieren sich damit und können ohne diese Arbeit nicht mehr leben.

Das zu tun, was ich für richtig halte, das habe ich nie für möglich gehalten. Liegt es etwa daran, dass ich eine eigentliche Bestimmung meines Lebens verfehlt habe? -

Schreiben? Ja – aber ich bin zu weit außerhalb des Mainstreams, als dass mir da einer folgen würde. Gerade das Anschreiben gegen Konsum und für Arbeit begeistert niemanden.
 
Warum betreibe ich aber in meiner Gesellschaftskritik einen solchen Arbeitskult, betone immer, dass Arbeit den Sozialismus ausmacht? Mache ich es nicht so wie die meisten der zu Arbeit Gezwungenen. Wenn sie jemand nicht so schuften sehen, wie sie selber müssen, kommt in ihnen der Neid hoch, die Wut, die sie selber im Arbeitszwang unterdrücken müssen und sie könnten aus dieser Wut heraus die ganze Gesellschaft zum Konzentrationslager machen. Ich kenne dieses Gefühl.
Aber je länger die Flucht vor der Arbeit, etwa durch schulische Bildung, durch Technologie und Wissenschaft, möglich ist, umso länger wird der Zwangscharakter der Arbeit aufrechterhalten, wird es notwendig sein, den Konsum auszuweiten, die Rohstoffe auszubeuten, die Erde zu zerstören.
 
Man kann Arbeitsunlust auf eine Persönlichkeitsstörung zurückführen oder auf eine misslungene „Integration“ in eine Gemeinschaft „arbeitender“ Menschen. Wie würde eine solche „Integration“ aussehen? Auf keinen Fall wäre es die Einübung privater Cleverness im Kampf um individuelle Vorteile, wie sich hier „Bildung“ nennt, sondern die einem verantwortungsvollen Verhalten gegenüber den kollektiven Lebensgrundlagen. Das sind Natur, Arbeit und Gemeinschaft.