Freitag, 10. September 2010

SARRAZIN ODER DIE GROSSE HEUCHELEI

Vor allem von der angeblich linken Seite wird gegen Sarrazin polemisiert, ungefähr in dem Ton: Rassismus, Faschismus und dergleichen mehr. Klar, dass Sarrazins Äußerungen über Vererbung Schrott sind, auch wenn die große Mehrheit daran glaubt, vor allem die große Mehrheit der Lehrer. Grade sie machen täglich die Erfahrung, dass sie mit den Schülern ihrer Schicht viel besser arbeiten können als mit den „Chaoten“ der Unterschicht. Was mir einmal ein Lehrer gesagt: „Ein guter Lehrer erkennt sofort in einer Klasse, wer gut oder schlecht abschließt“ ist pädagogisches Allgemeingut, ein Grund sich um die Schlechten gar nicht mehr zu bemühen.
Warum begreifen diese scheinbar Linken nicht, dass was Sarrazin da sagt, doch „Common Sense“ ist. Wie ist es möglich, dass der eine demokratische Grundüberzeugung hat, der immer nur irgendwelche Führer beschuldigt? Er hat einfach keine demokratische Einstellung. Er ist überzeugt, dass Politik ein Kampf der Eliten ist und dass er natürlich zu diesen Eliten gehört. Das ist das Elend aller Verschwörungstheoretiker: sie glauben tief im Innersten nur an die Macht und an die Mächtigen. Die Entwicklung dieser „Sozialisten“ ist historisch durchgespielt. Es kommt bei ihnen auch hinzu, dass sie Erfahrungen, die Menschen zu diesen Einstellungen und Irrtümern führen, nicht ernst nehmen, weil sie nicht mit Menschen reden wollen, weil sie sie nicht ernst nehmen, weil sie alle außer den Mächtigen für Idioten halten, weil sie nicht argumentieren können oder wollen. Schlimmer noch, weil sie überhaupt nichts verändern wollen, weil sie Feindschaften genauso lieben wie ihre Feinde.
Aber um ehrlich zu sein, ich glaube an die Unveränderbarkeit dieser „Linken“ genauso wie an ihre erworbene Dummheit. Es lebt sich so schön im linken Milieu, an seine Geschlossenheit und Unzugänglichkeit, seinem erlesenen Elitemilieu und den vielen Ausschließungsmerkmalen. Nicht Jeder soll dazugehören. Geschlossene Gesellschaft. Abgrenzung. All das, was sie an Sarrazin so bemängeln.
Oft sind es die gleichen „Linken“, die in ihren Berufen in asymmetrischen Beziehungen zu anderen Menschen stehen, sei es als Lehrer, Betreuer, Erzieher, Sozialarbeiter usw. Genauso wie sie an die Intelligenz und ihr Primat glauben, so glauben sie – und das noch viel mehr – an ihre eigene Intelligenz und Überlegenheit.
Warum nicht die Frage stellen, was hinter den Ressentiments gegen Fremde ist, diese Mischung verschiedenster Gefühle? In welchem Verhältnis sie zu Verstand und Moral stehen, was auf biografischer Erfahrung, Charakterbildung und Charakterlosigkeit aufbaut, was an gewaltsamer Vergesellschaftung und was an sozialer Verwahrlosung, was an dem Einfluss von Medien und was an Kommunikationsdefiziten. Warum nicht, bevor man zum Moralisieren übergeht oder nach der Moral ruft, zuerst bei der Erkundung des Wissbaren, dem „wissenschaftlichen Sozialismus“ bleiben?

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