Freitag, 2. März 2012

Phänomen Merkel

Woher rührt Ihre Stärke und Attraktivität in Umfragen?
Hauptsächlich daher, dass sie weibliche Verhaltensweisen einsetzt. Ich will es den Kindertantenfaktor nennen. Frauen spielen in der Erziehung und beim Aufwachsen von Deutschen eine immer militantere Rolle. Anders als die zu Hause gebliebenen Mütter erfüllen sie dort eine eminent systemstabilisierende Funktion in Integration und Verhaltenskontrolle. Ihr Verfahren ist nicht Empathie, sondern Gruppenkohärenz und Leistungsantrieb, Unterordnung der Kinder unter Leistungsnormen. Was sie geben, ist notenzentrierte Aufmerksamkeit. Klassenarbeiten sind inzwischen schon üblich in der ersten Grundschulklasse. Ich habe meine ersten Arbeiten im vierten Grundschuljahr in der Vorbereitung auf die Aunahmeprüfung geschrieben. Dabei wurde ich neben Lehrerinnen noch von männlichen Lehrern unterrichtet. Heute lassen sich dort kaum mehr Männer finden. Frauen verkörpern hier eine Fusion von alter Mütterlichkeit mit ehemals “männlichem” Leistungsprinzip. Proteste sind ausweglos geworden und führen direkt zu Disqualifikation, Asozialität und Selbstzerstörung.
Diese neue Rolle der Frau lässt sich am an Thatcher in Großbritannien zeigen. Damals ging der weibliche Aufstieg zusammen dem Abbau der Industrie, dem Bedeutungsverlust der körperlichen Arbeit und Anwachsen der sitzenden Angestelltentätigkeiten, dem Aufstieg des Finanzwesens. Frauen sind von Natur aus kommunikativer und anpassungsbereiter, also besser gerüstet für eine interdependente Welt, in der Absprache und Einordung zählt, nicht aber individuelle Courage.
Merkels Kindertantencharakter demonstriert sich in den jährlichen Weihnachtsansprachen, in den im pädagogischen Märchenton vorgelesenen Statements wohlklingender Worte, die nichts riskieren und doch Großes künden wollen. Als “Revolution” wurde die Verlängerung der Laufzeiten der AKWs verkündet, deren Rücknahme allerdings nicht als Konterrevolution. Derselbe deutlich erklärende Ton findet sich auch bei der Frau Leyen, der Schröder - Kindertanten und Pflegepersonal für eine infantile Republik. Politik der Männer dagegen stellt sich dar als Schaukampf von Idioten; Rösler mit seinen kindischen Späßen dazu ganz passend.

Welche Bedeutung hat die von Merkel immer wieder eingesetzte Vaginageste? Sie steht zwischen - in der Regel - Männern, lächelt strahlend in das Auge der Kamera - die anderen wirken dagegen oft angestrengt und verlegen - und formt ihre Hände zum berühmten Fingeroval.
Diese Geste scheint auf den ersten Blick eine sexuelle zu sein, Verdrängtes zu offenbaren. Aber eine solche Deutung würde das Motiv des Verdrängungsprozesses nicht verständlich machen. Ich interpretiere so:
1. Es ist eine Geste der Abgrenzung und Distanzierung. Die Hände grenzen den eigenen Körper von dem Betrachter ab. Inneres soll nicht preisgegeben werden. Es ist eine Fassade. Nur eine kleine Öffnung soll erlaubt sein. Die gestellte Freundlichkeit freilich lädt ein, ist aber kontrolliert. So wie das Lächeln dem Gegner elegant die Zähne zeigt, demonstrieren die Ellenbogen die Durchsetzungsbereitschaft. Unwillkürlich gehen die Umstehenden auf Abstand.
2. Es ist eine Haltung des Abwartens. Eine vorübergehende Geste bis die Kamera klickt, dann setzt wieder Bewegung ein. Ein Bild für die Öffentlichkeit. Aber als zur Gewohnheit gewordene und immer wieder verwendete Geste verweist sie vielleicht schon auf einen Charakter. Abwarten als Taktik der Kontrolle, Passivität als Mittel der Abgrenzung. Die anderen sollen handeln.
3. Eine begrenzte Freundlichkeit und Offenheit für die umgebenden Menschen. Der Zugang ist aber kontrolliert, begrenzt und partiell. Eine reduzierte Beziehung der Kant´schen Art.
4. Die beiden Hände führen zusammen. Es ist eine integrierende, die anderen zusammenführende Geste. Aber als Person in der Mitte ist sie es, die zusammenführt, die die Situation kontrolliert. Nicht indem sie vorangeht, Programme macht, sondern zu den Vorschlägen anderer Ja oder Nein sagt.
Merkels Haltung zeigt also, dass sie weibliche Charakteristika gezielt einsetzt, um damit andere Menschen zu kontrollieren. Sie lässt andere agieren, aber am Ende ist sie es, die entscheidet und verbindet. Mit einer eigenen Politik, einem Programm würde sie sich angreifbar machen und ihre Macht risikieren. Aber so kann sie mit minimalem Aufwand und geringstem Wderspruch die bestehenden Verhältnisse aufrechterhalten. Die große Mehrheit der auf ihren Vorteil bedachten Deutschen kann sich damit identifizieren. Zwar löst dieses Verhalten ganz und gar nicht die Probleme von Umwelt, Ressourcen und Wirtschaftssystem, aber das System lässt sich doch von Monat zu Monat verlängern. Griechenland zeigt es.

Merkel benutzt also eine positive Grundeinstellung gegenüber Frauen. Diese Einstellung rührt einerseits her von der der natürlichen Bedürftigkeit des Säuglings und der daraus entstehenden Idealisierung der Mutter. Andererseits sind Frauen längst in das kapitalistische Konkurrenzprinzip eingespannt und vertreten das “Leistungsprinzip”.
Dieses “Leistungsprinzip” nimmt im Kapitalismus aber seine spezifische Form an. Leistung ist nur dann mit produktiver Arbeit verbunden, wenn es dem Moneymaking, der Karriere, der Verbesserung der sozialen Position dient, hat sich aber weitgehend von produktiver Arbeit losgelöst - siehe Finanzindustrie, siehe Einkommen unserer Oberschicht.
Die Femininiserung der Gesellschaft geht einher mit der Maskulinisierung der Frauen. Merkel macht sich aber dadurch populär, wenn sie sich gegenüber dem Gockelverhalten ihrer männlichen Konkurrenten nüchtern zurückhält.
Warum aber diese Bevorzugung “weiblicher” Qualitäten? Weil die Gesellschaft sich in eine Gesellschaft von Abhängigen zurückentwickelt hat, weil die Idee der Großartigkeit der Eliten, des Kapitals über die der Autonomie gleicher Individuen gesiegt hat. An die Parole der Gleichheit erinnern sich nur noch die, die zu den Eliten aufschließen wollen - wie es bei einem Teil der 68er und den heutigen Grünen der Fall war.
Zum “weiblichen” Bewusstsein, das die Merkel repräsentiert, gehört auch, dass sie jene Schichten repräsentiert, die sich trotz ihrer Leistung, ihrer Bemühungen immer noch nicht an der Spitze der Gesellschaft sehen. Die CDU vertritt das Heer derer, die zwar in Besitz und Position privilegiert sind, aber immer noch nicht genug haben, ihre Vorteile immer noch nicht genügend gesichert sehen, im Gefühl leben, benachteiligt zu sein, immer noch glauben, Angst haben zu müssen, die ihr Leben aus der Polemik gegenüber denen unter ihnen konstruieren. Diese Einstellung verkörpert sich in der CDU, ist aber allgemeines Gesellschaftsgefühl. Problemlos können Feministinnen ihre politischen Positionen verändern, wie etwa Schwarzer und Nielsen, können Bsirkse und Ernst in Flugzeuge und Porsche steigen. Sie alle wollen dazugehören und dabei sein.

Und die anderen - die Ausgeschlossenen - auch? Es ist eine heillose Dynamik.

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