Montag, 19. Juli 2010

HAMBURG WILL „LERNEN“

- Die Mehrheit kam durch Demagogie zustande: "Wir wollen lernen", also die Gegner wollen nicht lernen. Das sind also Faulenzer, Dummköpfe usw.

- Die Abstimmung erfolgte in der großen Mehrzahl über die Briefwahl, also vom Bildungsbürgertum, das sich langfristig orientiert, in Ferien nicht anwesend ist.

- Die Mehrheiten spiegeln die Bildungsnähe wieder. Je mehr Sozialleistungsempfänger, desto geringer die Wahlbeteiligung.
Die ausgebliebene Unterschicht geriet in einen doublebind. Aif der einen Seite vergötzen gerade sie Leistung – man studiere Körperkult, Sportmentalität – auf der anderen Seite müssten sie sich nach eigenen Kriterien als unter ihrem Anspruchsniveau empfinden. Der Konflikt lässt durch Ignorieren lösen.

- Dass sich durch Bildung die gesellschaftlichen Verhältnisse ändern lassen, wird als Illusion empfunden – und ist es auch.

- Die Ausweitung der Bildung stärkt gerade die Schicht, die die Unterschicht permanent bevormundet. Politiker, schon gar nicht Grüne, sind nicht glaubwürdig.

- Die Unterschicht sieht keine Möglichkeit von gesellschaftlicher Autonomie. Es lebt sich besser im gesellschaftlichen Abseits als in permanenten sozialen Konflikten - und im Klassenkampf.

1 Kommentar:

  1. Ich denke, man müsste sich auch mit den Abstimmungsverweigerern über ihre Motive unterhalten. Ich könnte mir denken, dass sie etwa sagen: „Zwei gemeinsame Jahre mehr setzten meine Kinder nur noch mehr Konkurrenz aus, mehr Druck und machen sie deswegen in der Schule nicht besser.“ Dieses gemeinsame Lernen brauchen nur die, die sich der gesellschaftlichen Auseinanderentwicklung und der gesellschaftlichen Legitimationskrise bewusst sind. Aber die Ursache liegt weniger in der Bildung, als in dem Fehlen von Arbeitsplätzen.
    Schließlich waren Migranten nicht wahlberechtigt und ihre Stadtteilnachbarn haben keinen Grund ihre Konkurrenz zu befördern.

    Welche Konsequenz soll aus dem Verhalten dieser politikunfähigen Mittelschicht gezogen werden? Dass eine solidarische und gleichheitsorientierte Gesellschaft keine Mehrheit hat? Dass die politische Elite weiter ist, allein durch eine durch Diskussion erzwungenen Rationalität, als die Schichten, die sie vertritt? Dass eine Abgrenzung zur Unterschicht wichtiger als rationales gesellschaftliches Denken?

    Welche Reaktionen der Unterschicht sind möglich? Resignation oder Abgrenzung? Oder läuft wieder alles nur über die Mittelschicht, über ihre Interpretationskünste. Was ich hier sage gehört dazu.
    D.A.

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