Wie auch immer.
Interessant war die Rezeption in der Öffentlichkeit. Kaum einer, der mit den Begriffen etwas anfangen konnte. Wild wurde assoziiert, Ratzinger sympathisiere mit den Grünen – was er ganz und gar nicht tut, auch wenn sich leicht in einer gemütlich interpretierten Natur etwas Katholisches herauslesen lassen könnte. Wird mit Begriffen wie „Bewahrung“, „Schöpfung“ jongliert, Traditionen verklärt, - schon schwebt der „Geist“ über allen Lagern.
Folgerichtig finden sich auch keine Entgegnungen auf die Arroganz eines Mannes, der seinen katholischen Traditionalismus als einzige Wahrheit gelten lässt. Dieser Größenwahn hat einen anziehenden Charakter, sind wir Menschen doch fasziniert von denen, die die Wahrheit zu besitzen glauben.
In seiner Rede wiederholt Ratzinger seine idealistische Erkenntnistheorie. Da ist die griechische Philosophie von Platon, der Trennung von materieller und ideeller Welt, die von dem Juden Paulus mit christlichen Inhalten gefüllt wird. So wären Rom, Jerusalem und Athen zusammengekommen im Knotenpunkt der europäischen Geschichte.
Paulus interpretiert aber Natur als Sünde, genauso wie er Leib und Körper als Sünde ansieht. Vernunft lässt er zu als Wirken der göttlichen Offenbarung, aber der Widerspruch der christlichen Lehre zur Vernunft ist ihm zu groß, als dass er ihr eine primäre Bedeutung geben will. Deswegen sind bei ihm primäre Werte Glaube, Hoffnung und Liebe – auch wenn sie bei ihm als bloße Propagandavokabeln dienen; denn konkret ausgeführt wird ihre Bedeutung nicht. In Wirklichkeit stellt deswegen das Christentum eine Abweichung vom Gang der Vernunft dar. Wie kann sich Ratzinger auf die von den Griechen in Gang gesetzte Aufklärung berufen? Die Kirche hat diese Aufklärung nur paraphrasiert, ihre Begriffe missbrauchend.
Denn wie auch immer verzerrt war die platonische Philosophie eine dialogische, dialektisch, in der Absicht zu überzeugen. Ratzinger dagegen in der moralisierenden Tradition eines Paulus stehend greift nicht nach Argumenten, sondern will durch Appell an Tugenden und den Verweis auf das Böse überzeugen. Gottes Megaphon braucht doch keine Argumente, muss nicht menschlich verständlich und Menschen verstehend werden.
Die im Zölibat und im Klerikalismus missachtete und vergewaltigte Natur des Menschen kehrt wieder als Pädophilie, Gewaltförmigkeit im Umgang mit anderen Menschen.
Religion hätte Bedeutung in der Kritik einer nur technischen Vernunft, die sich dem demokratischen Diskurs der Menschen entzieht, die ihre Zwecke nicht reflektiert. Sie müsste die Gottverlassenheit des Menschen begreifen.
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