Freitag, 18. November 2011

Die Krise schreitet voran

Wir gelangen in immer neue Räume und Dimensionen, ganz und gar kein Ende der Geschichte. Die alten Widersprüche nehmen immer neue Erscheinungsformen an. Interessant die gegensätzlichen Rezepte in der Linken. Da ist die inflationsfreundliche Variante, die für mehr Verschuldung plädiert, ein Einschreiten der EZB; die sozialliberale und keynesianische Fraktion – etwa bei den Nachdenkseiten konzentriert – da ist andererseits die inflationsängstliche Fraktion, die die Enteignung der sparenden Mittelschicht befürchtet.

Obwohl ich als Minirentner mit Ersparnissen eine inflationäre Entwicklung am meisten zu befürchten habe, interessiert mich weder die eine noch die andere Variante. Was soll ein Wachstum ohne demokratisch definierte Ziele? Es ist zwar populär, aber ökologisch und sozial desaströs, weil es - wie man sieht - nur noch auf der Grundlage der Verschärfung der sozialen Unterschiede möglich ist. Die Reichen brauchen, um noch reicher zu werden immer höherwertigere Anreize. Der von den linken Gewerkschaftlern immer wieder als Argument angeführte Massenkonsum ist nur eine von vielen Bereicherungsmöglichkeiten. Das Platzen der Finanzmärkte, die vorübergehend den Reichtum anschwellen ließen, bewirkte ein Umschlagen der Illusionen in hysterische und irrationale Angst. Aber gerade diese Angst verursacht weitere Krisen. Waren die Staatsanleihen bis jetzt verlässliche, wenn auch wenig profitable Investitionen – und bequem für die Staaten, weil sie so soziale Disparitäten in Griff halten konnten ohne die Reichen über die Steuern direkt zu besteuern – greift nun panische Angst vor Staatsbankrotte um sich, vielleicht auch politisch etwas gewollt.

Man erfährt ja nicht, wer genau die Akteure sind, die die Milliarden hin- und herschieben, kennt nicht ihre Interessen und Psychologie. Ich fantasiere da von amerikanischen Bankern mit dem üblichen amerikanischen Intelligenzniveau – aber das ist vielleicht meine Psychologie.

Wie geht es weiter? Entweder werden die Ängste wieder nachlassen oder der Geldumlauf gerät so ins Stocken, dass die „Realwirtschaft“ blockiert wird.

Diese „Realwirtschaft“ ist wiederum ein anderes Unikum, denn mehr und mehr hat sie mit Realität nichts mehr zu tun. Da ist Apple eines der größten Konzerne, eine Autoindustrie, die Fantasien verkauft usw. Der Anteil, der im produktiven Bereich arbeitet, also in den Bereichen, die für das Leben notwendig sind, wird immer kleiner.

Bis jetzt scheint es so zu sein, dass die große Mehrheit der Menschen hier in der Krise noch keine Notwendigkeit sieht, die Verhältnisse grundsätzlich in Frage zu stellen. Ich sehe auch keine Politiker mit Alternativen, sie fürchten wohl, sich damit lächerlich zu machen.

Was tun? Es wird keine vernünftige demokratische Lösung geben. Einzelne Menschen und Gruppen werden sich in Szene setzen, Gefühle der Menschen benutzen, Illusionen oder Traumbilder ansprechen. Die Occupy-Bewegung mit diesem falschen Titel aber richtiger Intention wird als philanthropischer Verein milde gelobt mit dem gleichzeitigen Bewusstsein, dass in der Realität ganz andere Fakten zählen; nämlich Macht, Geld und Einfluss und vor allem die Kunst, sich damit zu arrangieren – das, was die Mittelschicht ausmacht.

Also was tun? Seine Ohnmacht erkennen und sich doch nicht arrangieren.

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