Meine These vom letzten Eintrag lässt sich so zusammenfassen:
Die Linke hat Befreiung der Arbeit als Thema nicht ernstgenommen. Statt dessen war ihr implizites Ziel die Befreiung von Arbeit. Dem sollte Technik und Wissenschaft dienen. Da die Arbeiterbewegung repräsentiert wurde von der in die Mittelschicht aufstrebenden Intelligenz förderte diese einen negativen Begriff körperlicher Arbeit und selbst da, wo sie wie im Stalinismus anscheinend verherrlicht wurde, diente dies der Kontrolle der Arbeit durch die Intelligenz aus bürgerlichem Milieu.
Im Kapitalismus und den mit ihm konkurrierenden Systemen gilt eine Priorität der Kopfarbeit. Es führt in der Verflechtung mit dem Profitprinzip auch zu einer Differenzierung, einer immer weiter gehenden Arbeitsteilung in der Gesellschaft - und verhindert in gleichem Maße eine Autonomie der Arbeit und Arbeiterklasse.
Ist es möglich, diesen schon lange vor sich gehende Prozess rückgängig zu machen, oder so umzugestalten, dass diese wachsende Trennung von Kopf- und Handarbeit aufgehoben und Arbeit wieder demokratisch und autonom strukturiert werden kann?
Bei mir ist das eine politische Forderung, Grundbedingung für jede gesellschaftlich zu fördernde Veränderung. Aber gibt es in der gesellschaftlichen Entwicklung Tendenzen, Krisen, Konflikte, die in diese Richtung drängen?
Gesellschaft befasst sich permanent mit dem Körper. Es ist ein alles durchziehendes Thema - angefangen von Themen der Gesundheit, von Sex, von Sport, von Physikalismus bis hinein in die Philosophie und Interpretation von Geschichte und Existenz - aber in gleichem Maße wie der Körper als Thema auftaucht, verschwindet die körperliche Arbeit, wird zum Unthema, zu etwas, was zu vermeiden ist, was der Dritten Welt übertragen wird, dem Öl, der Atomkraft, früher den Tieren.
Es gibt in der Geschichte des Abendlands eine Flucht aus der verfluchten Arbeit in eine virtuellen Welt, in der sich alles im Kopf abspielen will. Wissenschaft und Technik haben da die Religion nur fortgesetzt.
Es wäre falsch, dieser historischen Tendenz deswegen zu widerstehen, weil sie Traditionen oder einer angeblichen Natur des Menschen widerspricht, weil es diese Natur vielleicht nicht gibt, weil es immer nur vorübergehende Balancen oder Gleichgewichte zwischen unterschiedlichen Bedürfnissen usw. gibt. Durch sich verändernde historische Bedingungen, wie jetzt bei der Erschöpfung der Erdölreserven, verändert sich diese Balance.
Eine nicht nur esoterische Analyse muss also einmal die sich abzeichnenden Krisentendenzen der Intelligenzentwicklung analysieren und hinterfragen, ob sie gesellschaftliche Veränderungen grundsätzlich notwendig machen, zum anderen muss gefragt werden, wie die körperliche Natur des Menschen unter diesem Primat der Intelligenz sich verhält.
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