Sonntag, 2. Juni 2013

Mittelschicht gegen Billigkultur

Greenpeace fordert teureres Fleisch als Mittel für Umweltschutz, gegen Überdüngung und wohl auch Methanausstoß – die Berichte darüber sind leider üblich unpräzise.

Billiges Fleisch ist in der Regel Schweinefleisch in Schweinefarmen produziert, die möglichst mit billigsten Ressourcen produzieren. Zwar ist die Produktion futuristisch unheimlich, bedrückend unmenschlich, aber die Tiere brauchen die Menschen nicht. Im Vergleich zu früheren Zeiten geht es den Schweinen unvergleichlich besser, doch für eine „artgerechte“ Haltung, was immer das auch sein möge, fehlt wohl noch einiges. – Ökoschweinefleisch ist kaum zu erhalten.
Üblicherweise wird ökologisch erzeugt nur Rindfleisch angeboten – kostet naturgemäß durch längere Aufzuchtzeit und schlechterer Futterverwertung zwei bis dreimal soviel wie Schweinefleisch. Neben der mehrfachen Menge an nötigem Futter und dem ökologisch katastrophalen Methanausstoß – mehr in Ökobetrieben als in Massenrindviehfarmen – wäre es sinnvoller, statt gegen billiges Fleisch zu kämpfen, die Rindviehhaltung einzuschränken. Zu deren Produkt gehören übrigens nicht nur Fleisch, sondern auch Milch und davon erzeugte Produkte.

Aber Greenpeace scheint es ja nicht um Umwelt wirklich zu gehen, sondern darum, sich als moralisch usw. überlegene Schicht gegenüber der Armutskultur („Geiz“ etc.) der Schichten unter ihr abzugrenzen.

Das Gleiche ließ sich nach dem Einsturz der Textilfabrik in Bangladesch erkennen. Medienmotto: Billigprodukte sind schuld an miserablen Arbeitsbedingungen. Wer teuer einkauft, der sorgt für faire Bezahlung. Das wird bis zum Erbrechen wiederholt - obwohl jeder wissen müsste, dass der Lohnanteil absolut nicht größer wird, relativ sogar noch kleiner wird bei den maßlos teuren Markenprodukten von Adidas und Co.
Ein gutes Beispiel die unbedingt notwendigen Laufschuhe für Jogger, die heute so um die 180 Euro vom „Fachhandel“ verkauft werden. Mal wird die Dämpfung propagiert, ein paar Jahre das Gegenteil. Über Supponierer und Überpronierer wird gefachsimpelt, obwohl es de facto bedeutungslos ist. So bedeutungslos wie der Unterschied von rechts- und linksdrehenden Milchsäuren. Aber mit Nonsens und der Hypochondrie lässt sich Geschäft machen. Dabei ist nachgewiesen, dass die aufwändige Produktion dieser Speziallaufschuhe ökologisch destruktiver als die Massenproduktion von gleichwertigen Billigprodukten ist.
Aber die Mittelschicht hat immer schon geglaubt, dass wenn sie mehr bezahlt auch dadurch selber mehr wert ist.

Dummheit kostet mehr Geld, gut – aber welche Frechheit, dass die Mittelschicht im Besitz der Medien unser Gehirn damit vollmüllen kann.

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