Samstag, 22. Juni 2013

„Weltfaschismus“ – geht es nicht eine Nummer kleiner?



Wenn ich zu einer solchen Definition gegriffen habe, dann zunächst aus Wut darüber, dass die USA, diese Kollektiv von geistig Beschränkten und asozialen Weltausbeutern, sich anmaßen den Rest der Welt kontrollieren zu dürfen. Aber im Nachhinein überlegt, gibt es da doch einige Differenzen zum Faschismus, wie er etwa hier in Deutschland sich gezeigt hat.

- Faschismus will Gemeinschaft und Einverständnis durch Feinderklärungen bilden. Rasse, Nation sind Begriffe, mit denen die Klassengegensätze verschleiert werden sollen. Dazu bedarf es eines enormen propagandistischen Aufwands einer aggressiven Polemik.
Zwar gibt es diese vorurteilhafte Feinderklärungen auch in den USA - Islam, Hussein, Assad und die Chemiewaffen, Al Kaida als begriffslose Mörderbande, die europäischen Zauderer als Sozialisten, Russland als Diktatur - aber genauso stark ist die positiven Selbstdarstellung: das Land der Freiheit (der Schusswaffen, der Reichen, eine der höchsten Gefangenenrate der Welt), der Wohlfahrt (wo über 20% von Foodstamps leben, wo die öffentliche Infrastruktur Dritteweltniveau hat), der martialischen Unverwundbarkeit (wo so viele Menschen ermordet werden wie kaum anderswo.)
Es gibt in den USA keinen Appell an ein Kollektiv, denn dieser Appell würde die "Balance" zwischen Reichen und Rest in Frage stellen. Die Reichen haben das Heft, die Medien, die Abgeordneten, die Justiz in der Hand, ohne sich auf populistische Bewegungen stützen zu müssen. Man mag in der Erlaubnis, Obama wählen zu dürfen, ein populistisches Zugeständnis sehen, aber Obama war nur ein Köder für die mehr und mehr nichtweiße Community. Gerade als Aufsteiger hat er seine Bereitschaft gezeigt, sich den wahrhaft Herrschenden unterzuordnen. Da ist kein Platz für Demokratie, Gleichheit und Gerechtigkeit. Schon die Wahlbeteiligung zeigt das Gefühl in Wahlen nichts bewirken zu können.
Dominant im Denken der USA und ihrer Satelliten ist der Individualismus: Ich muss aus mir selbst das Beste machen. Das ist offizielle Ideologie. Aber die an der Macht sind, kennen die wahre Realität und sie wissen, dass man sich der anderen bedienen, sie manipulieren, korrumpieren und kontrollieren muss, um das Beste für sich herauszuholen.

Der alte Faschismus hat eine Umwertung aller Werte gebraucht, um sich an die Macht zu bringen. Der im Sozialdarwinismus erfolgte Rekurs auf eine "Natur" hat Massenmord erlaubt, dem "Kollektiv", also der faschistischen Elite, die Aufopferung des individuellen Vorteils vorgeschrieben.
Das ist noch vollkommen anders in den USA. Töten und töten lassen ja, aber nicht Getötetwerden - dafür sind andere Nationen zuständig. Während der alte Faschismus immer wieder in die Irrationalität des selbstlosen Massenerlebnis trieb ("Wollt ihr den totalen Krieg ..."), herrscht in den USA das individuelle Kalkül: was verdien ich, wie kann ich Karriere machen, welchen Vorteil habe ich von der Sache. Der kaugummikauende GI ist zwar täuschbar, korrumpierbar, ein skrupelloser Idiot, aber er hält Distanz zu politischen Parolen, glaubt an keine Ideale. Er bleibt cool.
Man könnte sagen: das Idee des Opfers steht der Idee der Dienstleistung gegenüber. Dienstleistung nicht wie Merkels Parole: "Ich will dienen" ..., sondern als begrenzte Dienstleistung für die Herrschenden, die eine entsprechende Bezahlung verlangt - kapitalistischer Warentausch.
Auf Grund dieser Dienstleistungsstruktur ist es für den Außenstehenden auch relativ schwierig, hier die Herrschenden zu erkennen. Der Geheimdienst, für wen arbeitet er genau? Zunächst will er nur wissen, alles wissen. Dann gibt er seine Informationen an die Politiker weiter. Was wollen die? Sie wollen gewählt werden, gute Umfragewerte, nicht in die Schusslinie der Opposition geraten, nationale Sicherheit usw. Jedes System hat seine eigene Logik. Und doch haben die verschiedenen Untersysteme einen gemeinsamen Charakter: das ist die technokratische Logik der Systemerhaltung über die Selbsterhaltung. Folgendermaßen denkt ein solcher Technokrat: ich verdiene mein Geld dadurch, dass ich gute Arbeit für meinen Chef mache. Der Chef gehorcht den Imperativen der Meinungsindustrie, die wiederum im Besitz der privilegierten Plutokratie ist. - Feinde dieser Technokratie ist: das kollektive Wohl, Gleichheit, Gerechtigkeit.

Während schließlich der alte Faschismus offen, laut und schreierisch war in seinen Attacken gegen seine Feinde, wirkt der Machtapparat der USA vorwiegend klandestin durch Geheimdienst, durch Diplomatie, durch politischen Deal und Erpressung. Da ist nicht die Waffen-SS, die mit Stiefeln marschiert, da eingreift, wo alles verloren ist, sondern da sind die verschiedenen Geheimdienste, die Söldner rekrutieren, fremde Truppen trainieren und ausstatten, - da sind Gelder, die fließen.
Der alte Faschismus hat das Volk gebraucht, die Machtmaschine der USA bedient sich bestimmter Individuen, weiß, dass es nicht auf alle ankommt, sondern dass sie unterschiedlich wichtig sind für ihre Zwecke. Dafür braucht es keine Ideologie: der materielle Vorteil reicht, "Evolution" als Rechtfertigung gegen die Gleichheit. Ansprechbar darauf ist die neue gebildete Mittelschicht, die sich als Elite und Repräsentante der "Demokratie" fühlen darf. Ihre Werte sind individuelle Leistung, die Erbschaft der Familie, sich repräsentieren mit Kultur, die Einheit von "Fortschritt" und "Tradition". Mit Hilfe der Medien darf sie Demokratie und Öffentlichkeit zelebrieren, aber trickreich die wahren demokratischen Defizite zudecken.

Ich fasse mal vorläufig zusammen: Faschismus - Machtmaschine USA

Ähnlichkeiten:

Feindschaftserklärungen, um die Klassengegensätze zu verschleiern

gesellschaftliche Abhängigkeitssysteme, Hierarchien

organisiertes Propaganda- und Mediensystem

Kriege, Töten, Foltern als politische Mittel

Die Unterschiede habe ich beschrieben. Vielleicht entwickelt sich ein Art von Technofaschismus: Informationskontrolle, High-Tech-Waffensysteme, soziopolitische Manipulation durch Medien und Einbindung gesellschaftlicher Gruppen. (Die passende Theorie könnte Carl Schmitt liefern).

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