Freitag, 13. August 2010

SCHMUTZIGE KLEIDUNG

Diskussion im SWR; es geht um die Löhne für die Textilarbeiterinnen in Asien. Weil der SWR ein Kirchensender ist, darf einer aus einem christlichen Verein die moralische Position vertreten, ein Wirtschaftler die Proglobalisierungsfraktion, dann noch ein Fachmann. Die verschiedenen Argumente werden vorgetragen, die Problematik wird klar.

Zunächst wird auf die Discounter geschossen und ich befürchte schon die übliche Geiz-ist-geil-Kritik. Doch am Ende wird klar, dass höhere Preise nicht höhere Löhne für die Textilarbeiterinnen bedeuten. Die Moderatorin stellt aufklärende Fragen, die die Diskussion weiterbringen. Ihre Frage nach einem sozialverträglichen und staatlich regulierten Importstandard wird allerdings nur unbefriedigend beantwortet und bleibt als folgenlose Idee im Äther stehen.

DIE GEBÜHRENKASSIERER

308 000 plus plus verdient die WDR-Intendantin, die Direktoren darunter nicht viel weniger. Was ist von einer solchen geldgeilen und korrupten Institution zu erwarten? Aufrufe zu Wahrheit, Bescheidenheit, Wachstumskritik, Kritik an den Einkommens- und Vermögensverhältnissen?

Natürlich nicht, statt dessen Differenzierung durch „Kultur“, Verkehrsfunk, Infogeschwätz, Ökophrasen. Eine Lüge nach der anderen, Regierungspropaganda. - Demokratie? Ein Witz. Was man hier Demokratie nennt, ist nicht mehr als Verfahren der herrschenden Klasse sich durch sogenannte freie Wahlen die Legitimation für ihr System der Vorteilsbeschaffung zu holen.

Was dagegen machen? Antidepressive Pillen nehmen, zum Gewehr greifen oder abschalten? Hoffen auf ein 1789? Zynisch werden, verzweifeln?

Kein Wunder, dass die Herrschenden paranoid werden, alles überwachen wollen, nach Randgruppen zum Hetzen suchen, sich absondern, Netzwerke bilden, ihre Opiate und Bestechungsgelder verteilen

Dienstag, 3. August 2010

Talkshow Klimakatastrophe

Es ging um die Ölbohrungen. Dabei Röttgen, Sinn, Latif, Rest irrelevant, da argumentationsunfähig. Ab und zu gelingt es Röttgen, zu argumentieren. Sinn hat mit seinen Statements gegen die Gutmenschenmoral offensichtlich viele Anhänger im Publikum. Statt ihn nun aus seiner verschmollten Reserve rauszuholen, zeigt sich die Illner nicht in der Lage, mitzudenken. Ich wundere mich, wie sie so schnell reden kann, ohne dabei zu denken. Offensichtlich ist sie nicht in der Lage, Argumente der Anwesenden zu verstehen, überhaupt in logischen Zusammenhängen zu denken. Sie hat nur ihren Fahrplan mit Schlagworten vor sich, die sie dann immer in die Runde haut. Mehr als die vorgeschriebenen Schlagworte versteht sie nicht.
Immerhin wäre eine Diskussion mit Sinn, dem Mann mit dem Gesichtspullover, diesem Ritter des Neoliberalismus bei Christansen, interessant gewesen. Denn unrealistisch waren seine Argumente nicht. Dass nämlich ein Energiesparen nur die Preise senkt und anderswo in der Welt den Verbrauch steigert. Dass deswegen nur eine globale Vereinbarung die Lösung brächte. Das ist zwar eine billige Ausrede, sich unmoralisch gierig und verschwenderisch zu verhalten, aber gerne hätte man erfahren, wie Sinn das privat handhabt. Doch die flippige Illner erspart ihm das.


Noch wichtiger wäre gewesen, sich mit dieser Finte von Sinn argumentativ auseinanderzusetzen. Denn der Herdentrieb ist das schlagkräftigste Argument und die Linken und Ökologen müssen sich damit auseinandersetzen und können es nicht einfach als amoralisch abtun.


Andererseits wozu sich bemühen? Warum nicht einfach den Laden an die Wand fahren lassen, die Klimakatastrophe kommen lassen? Gewarnt waren sie alle, auch die Jungen, die es ausbaden müssen und sich trotzdem wie die Säue verhalten. Und die ungeborenen Enkel, von denen ein Großteil auch nicht mehr geboren wird, werden eine Welt vorfinden, die in ihren Schwierigkeiten denen der Generationen vor uns nicht unähnlich sein wird. Wir dagegen sind billig davongekommen - freilich mit dem schalen Gefühl am Ende, dass es zu billig und leicht war, unser Leben, - wir eine historische Chance verpasst haben.


Die Illner demonstrierte mit ihrer Talkshow die allgemeine Misere dieser Talkshows. Menschen, Argumente werden vorgeführt, nicht durchdiskutiert. Oft sind es nur unbegründbare Einstellungen, Vorurteile. Gegner werden niedergemacht, persönlich angegriffen. Argumentationen werden durch Interventionen abgebrochen und verunmöglicht. Paradebeispiel dafür war Friedmann, ist Plasberg. In der Regel kann ich diese Sendungen nicht anschauen, mein Erregungsgrad überschreitet die Grenze des mir Erträglichen.

Montag, 19. Juli 2010

HAMBURG WILL „LERNEN“

- Die Mehrheit kam durch Demagogie zustande: "Wir wollen lernen", also die Gegner wollen nicht lernen. Das sind also Faulenzer, Dummköpfe usw.

- Die Abstimmung erfolgte in der großen Mehrzahl über die Briefwahl, also vom Bildungsbürgertum, das sich langfristig orientiert, in Ferien nicht anwesend ist.

- Die Mehrheiten spiegeln die Bildungsnähe wieder. Je mehr Sozialleistungsempfänger, desto geringer die Wahlbeteiligung.
Die ausgebliebene Unterschicht geriet in einen doublebind. Aif der einen Seite vergötzen gerade sie Leistung – man studiere Körperkult, Sportmentalität – auf der anderen Seite müssten sie sich nach eigenen Kriterien als unter ihrem Anspruchsniveau empfinden. Der Konflikt lässt durch Ignorieren lösen.

- Dass sich durch Bildung die gesellschaftlichen Verhältnisse ändern lassen, wird als Illusion empfunden – und ist es auch.

- Die Ausweitung der Bildung stärkt gerade die Schicht, die die Unterschicht permanent bevormundet. Politiker, schon gar nicht Grüne, sind nicht glaubwürdig.

- Die Unterschicht sieht keine Möglichkeit von gesellschaftlicher Autonomie. Es lebt sich besser im gesellschaftlichen Abseits als in permanenten sozialen Konflikten - und im Klassenkampf.

Freitag, 9. Juli 2010

Vuvuzelas

Seltsames am Rande: In einem Freien-Radio-Interview meint ein Antideutscher, Vuvuzelas wäre schon deswegen ein zivilisatorischer Fortschritt, weil man dann die deutsche Nationalhymne nicht verstehen könnt. Überhaupt gehörten Vuvuzelas zur afrikanischen Kultur... – Ich war mehrere Jahre im südlichen Afrika und habe nie und nirgends eine Vuvuzela gehört, wohl aber viel christliches Gospelsingen, die polyrhythmisch begleiteten Gesänge bei Fußballspielen, Trommeln und natürlich Highlife-Pop, etwa von Thomas Mapfumo in Harare mit seinen Blacks Unlimited, aber auch die vom zentralen Afrika beeinflussten „Rumbas“ . Ein Beispiel von Musikalität mit einfachen Mitteln : http://www.youtube.com/watch?v=-5OFPEhkn2c&feature=related .
Vuvuzelas zeigen die Barbarisierung des afrikanischen Kontinents. Auf der einen Seite die neokoloniale Oberschicht, brutale und skrupellose Ausbeuter, auf der anderen Seite die verelendeten Massen, deren kulturelle Autonomie auf das Primitivste und Gewaltsamste reduziert ist.

Ach ja Deutschlands Gewerkschaften und ihre Trillerpfeifendemonstrationen

Donnerstag, 8. Juli 2010

Danke, Herr Löw

Sie haben mir mit der Niederlage Ihrer Mannschaft den Anblick dieser Merkel erspart, wahrscheinlich wieder neben Ihrem Korrumpel und Polygamisten Zuma. Jetzt muss sie sich eben woanders duschen.
Peinlich auch, dass die Multikultiphrase mit dem CDU-Schleim drüber nicht hingehauen hat. „Wir sind alle Merkel-Fans“ hat Löw vorher noch getrötet. Schön, dass Ihr eine draufbekommen habt.
Noch schöner und das wahre Sommermärchen wäre es, wenn nun die Menschen hier aufstehen würden gegen die schleichende Einführung der Kopfpauschale. Diesmal offensiv, kreativ, mit flacher Hierarchie und ohne 6 Millionen-Vertrag, wie ihn dieser Zinnsoldat von Trainer verlangt.

Dienstag, 6. Juli 2010

Lust zu arbeiten

ist bei mir eher selten. Was ich derzeit am liebsten mache, ist rumhängen, mich von Gedanken leiten zu lassen, nicht organisiert voranschreiten, sondern surfen, nachdenken, formulieren, dann wieder einem anderen Gedanken nachhängen, unsystematisch, nicht zielvoll effektiv.

Arbeit, wie sie andere Leute machen, war mir immer zuwider. In der Schule habe ich zwar die Hausaufgaben gemacht – unter Überwachung – aber nicht mit Lust, eben gelangweilt. Die Schule hat mir Angst gemacht, wenig Spaß.

Bei Ferienarbeit bin ich zwar pflichtgemäß immer pünktlich erschienen, aber ich war froh, wenn sie vorüber war. Selten habe ich Arbeiten gehabt, wo ich nicht jeden Tag bis zum Ende, wenn nicht sogar jede Stunde gezählt habe.

Mein Studium habe ich so organisiert, dass ich einerseits die Pflichtanteile mit Anstrengung erledigt habe, aber nebenbei oder hauptsächlich mich Sachen gewidmet habe, die mich interessiert haben. Und es hat mich eine Menge interessiert. Erst in einem fortgeschrittenen Stadium fielen mir die Pflichtanteile des Studiums, Seminare, Referate usw. leicht und ich habe sie mit Lust gemacht.

Wenn ich die Nachbarn jeden Morgen bienenfleißig zur Arbeit fahren höre, frage ich mich, wie sie es schaffen mit dieser Selbstverständlichkeit zur Arbeit zu gehen. Die meisten Jobs, die ich gemacht habe, waren für nur möglich mit der Aussicht, sie irgendwann, sei es nach 2 oder 5 Jahren zu beenden. Die meisten Menschen werden zu ihren Jobs gezwungen. Haben sie sich dann daran gewöhnt, machen sie es dann seltsamerweise zu ihrem Selbst, identifizieren sich damit und können ohne diese Arbeit nicht mehr leben.

Das zu tun, was ich für richtig halte, das habe ich nie für möglich gehalten. Liegt es etwa daran, dass ich eine eigentliche Bestimmung meines Lebens verfehlt habe? -

Schreiben? Ja – aber ich bin zu weit außerhalb des Mainstreams, als dass mir da einer folgen würde. Gerade das Anschreiben gegen Konsum und für Arbeit begeistert niemanden.
 
Warum betreibe ich aber in meiner Gesellschaftskritik einen solchen Arbeitskult, betone immer, dass Arbeit den Sozialismus ausmacht? Mache ich es nicht so wie die meisten der zu Arbeit Gezwungenen. Wenn sie jemand nicht so schuften sehen, wie sie selber müssen, kommt in ihnen der Neid hoch, die Wut, die sie selber im Arbeitszwang unterdrücken müssen und sie könnten aus dieser Wut heraus die ganze Gesellschaft zum Konzentrationslager machen. Ich kenne dieses Gefühl.
Aber je länger die Flucht vor der Arbeit, etwa durch schulische Bildung, durch Technologie und Wissenschaft, möglich ist, umso länger wird der Zwangscharakter der Arbeit aufrechterhalten, wird es notwendig sein, den Konsum auszuweiten, die Rohstoffe auszubeuten, die Erde zu zerstören.
 
Man kann Arbeitsunlust auf eine Persönlichkeitsstörung zurückführen oder auf eine misslungene „Integration“ in eine Gemeinschaft „arbeitender“ Menschen. Wie würde eine solche „Integration“ aussehen? Auf keinen Fall wäre es die Einübung privater Cleverness im Kampf um individuelle Vorteile, wie sich hier „Bildung“ nennt, sondern die einem verantwortungsvollen Verhalten gegenüber den kollektiven Lebensgrundlagen. Das sind Natur, Arbeit und Gemeinschaft.