Sonntag, 12. Mai 2013
Wo geht’s zum Sozialismus?
Das Plädoyer Lafontaines für die Rückkehr zu flexiblen Wechselkursen zwischen den Eurostaaten hat sicher viele wichtige Argumente für sich: die Ungleichheit der Lohn- und Sozialbedingungen, die Exportüberschüsse Deutschlands auf der Basis von Billigjobs usw.
- aber es bleibt in einem marktwirtschaftlichen Diskurs gefangen. Teils aus einer keynesianischen Fixierung heraus, teils aus einem rhetorischen Opportunismus, aus dem heraus auch Wagenknecht ihre sich an Erhard anschmiegende Argumentation entfaltet.
Warum nicht Alternativen fordern? Die Partei Die Linke hat außer irrelevanten Machtbeteiligungen – dort von der SPD als Steigbügelhalter benutzt - nichts zu verlieren.
Warum nicht etwa fordern, dass die EZB ihre Gelder nicht an die privaten Banken verschenkt – von denen zur Spekulation an den Börsen missbraucht - , sondern an Projekte vergibt, die an drei Bedingungen geknüpft sind:
- Arbeitsplätze zu schaffen außerhalb der Rüstungsindustrie
- Arbeitsplätze, die ökologisch nachhaltige Produkte produzieren
- Arbeitsplätze, die sozialen und demokratischen Mindestanforderungen entsprechen..-
Warum nicht?
Montag, 18. März 2013
Der neue Papst
Warum von Interesse?
Mit 18 bin ich aus der Kirche ausgetreten. Es hat mich viel Arbeit gekostet, meine katholische Vergangenheit aufzuarbeiten und zu überwinden. Warum? Weil die katholische Religion die großen Themen des menschlichen Lebens behandelt: Tod, persönliche Bestimmung, Schuld, Sühne und Vergebung, das gute und moralisch verantwortbare Leben. Diese Probleme werden nicht dadurch gelöst, dass alles auf Materielles reduziert wird und der Rest zum „Scheinproblem“ erklärt wird wie im gängigen Positivismus.
Andererseits sind diese Themen in einem Zirkel der katholischen Lebenswelt selbst erzeugt und in ihrem Sinne gelöst. Da ist die Pflege und Kultur der Angst, der Drohung, der absolut zerstörerischen Macht, der Schläge, der physischen Gewalt, des sozialen Ausschluss und der Verdammung, die Idealisierung des Leidens, der Unterdrückung und als Lösung dafür die Unterwerfung unter die katholischen Rituale, die Beichte, die Buße, das Gebet und das Opfer, der Glaube wider die Vernunft.
Es ist der kirchliche Klerus und ihre Hierarchie, die diese in den kindlichen Seelen geweckten und geformten Ängste und Schuldgefühle benutzen. Sie können das auch deswegen, weil außerhalb der Kirche ein Umgang mit den Themen kaum rational stattfindet und wenn, dann in einer eher verdrängenden, individualisierenden und befriedenden Form.
Kirche und Macht
Die Vorwürfe, Bergoglio hätte die Militärdiktatur Argentiniens unterstützt, mögen nicht klar nachweisbar sein. Was aber klar ist, ist die Nähe der katholischen Kirche zu den Mördern. Ein Priester hat sogar gefoltert und gemordet – er ist von Bergoglio nicht seines Amtes enthoben worden. Bergoglio wusste zwar vielleicht nicht von allen 30 000 Ermordeten, aber er wusste von einigen und hat nicht klar Stellung genommen. Noch heute wird er von den Anhängern der Diktatur unterstützt. Unübersehbar ist auch seine Distanz zur Demokratie. Dass Menschen ohne Bezug auf irgendwelche religiöse Texte ihre eigenen Interessen formulieren, scheint ihm fremd zu sein.
Die beiden Priester, die er im Kampf gegen den Marxismus aus den Slums zurückgerufen und nach ihrer Weigerung aus dem Orden entlassen hat, hat er objektiv an die Militärdiktatur verraten. – Er wäre nicht der erst Verräter als Papst, aber im Gegensatz zu Petrus kennt man von ihm nicht: „und er weinte bitterlich“. Man hört nur vage Apologien. Sich Fragen dazu stellen zu lassen, hält er nicht für notwendig. Er hat sich ja nur Gott selber zu verantworten.
Die Macht bedarf zur Rechtfertigung, dass sie die Menschen zwingt und ihnen Gewalt antut, immer der Konstruktion des Bösen. Darin ist die Kirche führend mit ihrem Sündenregister, dem Glauben an den Teufel. Kein Wunder, dass der neue Papst sofort die Alternative (katholischer) Gott oder Teufel beschwört. Die homosexuelle Ehe ist auch nur ein Werk des Teufels. Der Rekurs auf die Vernunft ist ihm ungewohnt.
Seine Erscheinung, das eingezogene Kinn, das Ausweichen vor Begegnungen, die er nicht unter Kontrolle hat, spricht für einen unfreien Menschen. Darunter leide auch ich, aber ich will es nicht zum Dogma machen, es ist ein Leiden, vielleicht ein Charakterfehler, nicht mehr.
Kirche und Sexualität
Bergoglio ist der klassische Klerikale. Verliebtheit als große Verwirrung, der er mit der Hinwendung zu Zölibat entkommt, Sex als Sünde und das Zölibat als Erlösung und Opfer an den Herrn, die Angst vor Freiheit, Körper und Autonomie. Die klassische Spaltung der Frau in Hure und Mutter, Maria und Hexe, - der eigene Körper in seinem Verlangen als sündhafte Versuchung. Die sich nicht von Frauen angezogen fühlen, haben mit dem Zölibat ohnehin kein Problem. Die Minderwertigkeit der Frau ist für die Klerikalen eine von Gott gegebene Sache; der Gott der vielgepriesenen Bibel und der Gesetze zieht die Männer vor.
Der Glaube an das Opfer, an Leiden und Verzicht will statt es zu überwinden ihm einen Sinn, dann sogar einen Vorrang geben, will der Realität entkommen und – die Grenze ist fließend – bestätigt so das Leiden.
Die zölibatäre Männlichkeit wird zur göttlichen Berufung und Auslese erklärt, statt darin einfach ein mitmenschliches Defizit oder ein seelisches Leiden oder eine lächerliche Selbstüberschätzung zu sehen.
Solange die katholische Kirche davon nicht abkommt, kann man sie nur als verschroben, lächerlich oder bemitleidenswert ansehen.
Der billige Platonismus Ratzingers wurde als „hochintelligent“ eingestuft, seine Verwendung von Begriffen wie „Positivismus“ und „Naturrecht“ galt bei den Idioten schon als „intellektuell“. Dabei hat Ratzinger in keiner Weise das Problem des Verhältnisses von Körper und Seele zu lösen versucht, er hat es nicht einmal thematisiert, obwohl die Sexskandale aller Art in der Kirche danach schreien.
Auch Bergoglio liegt auf dieser Linie. Er macht sich gegen Abtreibung stark, in irgendeiner Berufung auf die Natur, die er gleichzeitig unterdrücken will. Es ist nicht bekannt, dass er sich damals mit der gleichen Verve für die Opfer der Diktatur eingesetzt hat.
Der Kardinal der Armen
Ist kein solcher. Er liest in den Armenvierteln die Messe, er macht populäre Gesten, tut so, als ob er einer von ihnen wäre. Es ist eine gute Show. Wie für ihn üblich, äußert er sich in inszenierten symbolischen Gesten, die auf den Text der Bibel verweisen. Selbst wenn er den Reichtum der Kirche heute verschenken würde, wäre das schnell verfrühstückt und auf die Dauer nichts gewonnen. Armut und Reichtum bilden sich ständig in der Reproduktion durch die Arbeit. Da liegt der Hase im Pfeffer. Eine Veränderung wäre nur möglich durch eine demokratische Umstrukturierung von Arbeit, Bildung und Kapital, nicht durch Almosen, Benevolencia oder Caritas.
Der heilige Franziskus war sicher ein sympathischer Heiliger, aber er hat nie wirklich zu den Armen gehört und kann für die heutige Zeit schon gar kein Vorbild abgeben. Die Umstrukturierung der heutigen Gesellschaft in eine demokratische ist eine Herausforderung an eine soziale und technische Intelligenz, kein allein moralisches Problem und des guten Willens.
Die Koppelung von Armutsappell mit den anderen Botschaften; Abwertung von Sexualität, die Glorifizierung von Leiden, macht die Kirche weiterhin zu einer zutiefst antidemokratischen Institution.
Links:
Zur Rolle Bergoglios während der Militärdiktatur ein Interview mit dem Bruder Orlondo Yorio:
http://www.publico.es/internacional/452334/mi-hermano-fue-un-canje-entre-la-iglesia-y-la-dictadura
Über die Haltung zur Theologie der Befreiung:
http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2013/mar/19/war-on-pope-francis-modern-inquisition
Sonntag, 10. März 2013
Zwei Ohrfeigen
Eine mit 14 von einer Lehrerin. Ich und noch ein anderer mussten nacheinander vortreten, um für eine schlechte Englischvokabelabhörarbeit jeweils eine Ohrfeige zu bekommen. Es war das einzige Mal, dass sie geschlagen hat.
Wie habe ich mich gefühlt, als ich zu meiner Bank zurück ging? War ich beschämt, blamiert? Oder war ich etwas stolz für eine Art von Widerstand? Ich weiß es nicht mehr. Ich kann mich auch nicht an die Schläge erinnern, die ich von meiner ersten Lehrerin in der ersten Grundschulklasse bekommen habe. Ich war der Erste, erzählte meine Mutter. Vielleicht war sie stolz darauf, hat es der Lehrerin vielleicht sogar angeraten. Die beiden kannten sich.
Ich selber habe auch geschlagen. Etwa unseren Klassenboss – das verschaffte mir Abstand. Auch andere Ältere. Ich machte es wohl so überraschend und knallhart, wie es mein Vater bei mir machte. Sie schlugen nicht zurück. Vielleicht waren sie geschockt, vielleicht war es nicht ihr Stil. Mit 14 wollte mir mein Vater wieder einmal eine setzen. Diesmal hob auch ich meine Hand. Die Ohrfeige fiel aus. Er hat es danach nie wieder versucht.
Aber ich schlug noch einmal zu, diesmal bei meiner jungen Schwester. Sie hat es mir wohl bis heute nicht verziehen. Ich habe mich dafür auch nie entschuldigt. Anlass? Sie hatte sich auf die Seite meiner Eltern gestellt. Ich war ausgezogen, lebte von in Ferien Erarbeitetem, ein bisschen Honnef-Geld. Für meinen Vater war es in den folgenden Briefen gefundenes Fressen, mit denen er jetzt auf mich einschlug.
Warum schreibe ich davon? Sadomasochismus? Versuch, sich zu verstehen, sich verständlich zu machen? Rechtfertigung?
Es ist schwierig für mich die soziale und politische Haltung der Mehrheit der Menschen hier zu verstehen. Ob das die Ursache der Differenz ist?
Der Geschlagene fühlt sich als der Marginalisierte, Vereinzelte, Ausgestoßene. Was macht der Schlagende? Reproduziert er diesen Graben zwischen sich und anderen oder rächt er sich?
Ist Schlagen nur eine andere Art der Kommunikation, der „Mitteilung“? Ich gebe den „Eindruck“, die Erfahrung weiter, die ich selbst erhalten habe?
Schlagen ist jedenfalls eher eine individualisierende und ausgrenzende Form des Umgangs – im Gegensatz zu einer Kommunikation, die zu verstehen oder sich verständlich zu machen versucht. Aber wie kann sich der Geschlagene mitteilen, ohne dass der Andere eine Erfahrung davon hat?
Das hier ist nur angedacht. Es reicht nicht aus, das Schlagen nur moralisch einzuordnen. Ich denke, es ist eine Art von spezifischer gesellschaftlicher Beziehung, so wie es die Individualisierung durch die kapitalistische Warenbeziehung ist.
Wie habe ich mich gefühlt, als ich zu meiner Bank zurück ging? War ich beschämt, blamiert? Oder war ich etwas stolz für eine Art von Widerstand? Ich weiß es nicht mehr. Ich kann mich auch nicht an die Schläge erinnern, die ich von meiner ersten Lehrerin in der ersten Grundschulklasse bekommen habe. Ich war der Erste, erzählte meine Mutter. Vielleicht war sie stolz darauf, hat es der Lehrerin vielleicht sogar angeraten. Die beiden kannten sich.
Ich selber habe auch geschlagen. Etwa unseren Klassenboss – das verschaffte mir Abstand. Auch andere Ältere. Ich machte es wohl so überraschend und knallhart, wie es mein Vater bei mir machte. Sie schlugen nicht zurück. Vielleicht waren sie geschockt, vielleicht war es nicht ihr Stil. Mit 14 wollte mir mein Vater wieder einmal eine setzen. Diesmal hob auch ich meine Hand. Die Ohrfeige fiel aus. Er hat es danach nie wieder versucht.
Aber ich schlug noch einmal zu, diesmal bei meiner jungen Schwester. Sie hat es mir wohl bis heute nicht verziehen. Ich habe mich dafür auch nie entschuldigt. Anlass? Sie hatte sich auf die Seite meiner Eltern gestellt. Ich war ausgezogen, lebte von in Ferien Erarbeitetem, ein bisschen Honnef-Geld. Für meinen Vater war es in den folgenden Briefen gefundenes Fressen, mit denen er jetzt auf mich einschlug.
Warum schreibe ich davon? Sadomasochismus? Versuch, sich zu verstehen, sich verständlich zu machen? Rechtfertigung?
Es ist schwierig für mich die soziale und politische Haltung der Mehrheit der Menschen hier zu verstehen. Ob das die Ursache der Differenz ist?
Der Geschlagene fühlt sich als der Marginalisierte, Vereinzelte, Ausgestoßene. Was macht der Schlagende? Reproduziert er diesen Graben zwischen sich und anderen oder rächt er sich?
Ist Schlagen nur eine andere Art der Kommunikation, der „Mitteilung“? Ich gebe den „Eindruck“, die Erfahrung weiter, die ich selbst erhalten habe?
Schlagen ist jedenfalls eher eine individualisierende und ausgrenzende Form des Umgangs – im Gegensatz zu einer Kommunikation, die zu verstehen oder sich verständlich zu machen versucht. Aber wie kann sich der Geschlagene mitteilen, ohne dass der Andere eine Erfahrung davon hat?
Das hier ist nur angedacht. Es reicht nicht aus, das Schlagen nur moralisch einzuordnen. Ich denke, es ist eine Art von spezifischer gesellschaftlicher Beziehung, so wie es die Individualisierung durch die kapitalistische Warenbeziehung ist.
Mittwoch, 6. März 2013
Chávez
Populistischer Polemiker auf der Suche nach einer lateinamerikanischen Identität gegen den amerikanischen Imperialismus.
Sozialist? Sozialismus fängt doch bei der autonomen und demokratisch organisierten Arbeit an, nicht beim Verteilen von durch Ölgeld erworbenen Geschenken.
Gibt es in Venezuela, Südamerika, eine Grundlage für eine autonome Arbeiterklasse? Ich weiß zuwenig darüber.
Haben vielleicht die von Chávez initiierten Bildungsreformen in eine solche Richtung geführt?.
Chávez war der Commandante, Teil einer militärischen Hierarchie. Für andere ein charismatischer Held. - Für Sozialisten können Militär, Hierarchie und Heldentum nur von Übel sein.
Warum verfällt die Linke immer wieder solchen Persönlichkeiten? Vielleicht weil sie in den Helden und ihrem Kampf gegen die herrschenden Mächte ihr Wunschbild von sich selber sieht, weil sie sich primär als Krieger, Kämpfer versteht und nicht als Konstrukteur.
Sonntag, 24. Februar 2013
Die Deutschen und die Briten
Ich lese im Guardian eine lange Diskussion darüber, ob die Zerstörung Dresdens 45 in Kriegsverbrechen war oder nicht.
Warum ich mich dafür interessiere? Ich spüre einen heimlichen Nationalismus in mir, aber auch dieses fundamentale Schuldbewusstsein über die deutsche Geschichte. Haben die Deutschen überhaupt noch das Recht zu leben?
Ein Kommentator äußert sich zu einer Deutschen folgendermaßen: " If you really are a 'German' then have the humility to shut up and take a low profile when matters of war are being discussed. You have nothing to say that anyone should listen to."
(http://d2.guardian.co.uk/discussion/p/3dzfc?orderby=oldest&commentpage=4&per_page=50)
Keiner der Kommentatoren widerspricht ihm. Zwar ist es eine in Great Britain übliche klassistische, rassistische, koloniale und imperialistische Haltung, doch entspricht sie - zumindest meinem - Gfühl, vielleicht auch dem der geschlagenen Deutschen.
Auf der moralischen Ebene sind die Deutschen nicht gleichwertig. Auch insofern, wenn sie es moralisch besser als die Briten und Franzosen machen wollen, etwa bei der Nichtteilnahme am Irakkrieg. Gerade durch eine solch moralisch überlegene Haltung machen sie sich wieder verdächtig des moralischen Überlegenheitswahns. Das war auch das Problem der DDR; ihr "Antifaschismus" hat versucht, Gegner moralisch zu deklassieren.
Aus dieser Argumentationsfalle herauszukommen ist fast unmöglich. Ein Glück, dass es auch in England viele rational denkende Menschen gibt, wie die gleiche Diskussion zeigt.
Dass wir nur durch die Gnade der Alliierten existieren, hat weitgehend die Politik und das Bewusstsein der Nachkriegszeit bestimmt. Daraus gab es zwei Auswege: entweder sich der Politik der Alliierten zu unterwerfen oder ein neue Art von sozialem Zusammenleben zu gestalten jenseits dieser Vergangenheit - was auch bedeutet, sich kritisch zu der Vergangenheit der Alliierten zu verhalten und neue Formen des Zusammenlebens zu entwerfen.
Merkel hat sich jüngst in typischem Unterwerfungsverhalten auf die Seite des imperialen und egozentrischen Großbritannien gestellt; "mehr Wettbewerb" war ihre Phrase als Antwort auf die Erpressungsversuche der britischen Finanzhaie. Sie versucht, am britischen Imperialismus, der nach der kolonialen Ausbeutung die Welt über den Finanzkapitalismus ausbeutet, zu partizipieren.
Ein neues Europa kann sich nicht der Arbeit, Rohstoffe und Energie anderer Menschen und Länder in ausbeuterischer Art bedienen, wie es das britisch konservativ-liberale Modell vorsieht.
Sonntag, 3. Februar 2013
Die Grünen und das Fliegen
Künast findet starke Worte zu den Verzögerungen beim neuen Berliner Flughafen. Soll ich mir die Augen reiben? Oder ist es doch genau das, was man von den bürgerlichen Grünen erwartet? Nichts mehr als modisches Geschwätz, um an Macht, Posten und ins Gespräch zu kommen.
Zweifellos ist Fliegen eine der umweltschädlichsten Verkehrsmittel. Bis jetzt nur marginal? Nein, dass es so richtig reinhaut, muss es mehr werden und dazu brauchen wir BER.
Aber haben nicht die Grünen wesentlich zur Energiewende beigetragen?
Ja schon, aber sie wird zu spät kommen und erfolglos sein – solange nicht jedem Wohlhabenden in der Welt klar gemacht wird, dass es Einschränkung bedeutet. Also wirken die Grünen als Teil der Selbstzerstörungskräfte der Menschheit. Das wäre nicht schlimm, wenn es die Richtigen treffen würde. Aber es wird zuerst die Armen treffen und zerstört auch alle positiven Möglichkeiten, die die Menschen einmal gehabt hätten.
Hau ich zu kräftig auf die Apokalypsepauke? Vielleicht hat die Menschheit –wieder so ein großes Wort – doch eine neue Perspektive nach x Jahren in Kämpfen.
Sonntag, 6. Januar 2013
Kleine Weihnachtsbotschaft
Meine Einträge hier werden immer weniger. Hat zunächst zwei Gründe: Da sind einmal meine Zweifel an mir selber. Dass ich so vereinzelt bin, hat das nicht zu tun mit meiner "defizitären Sozialisation"? Ich werde versuchen, das in einem Blogeintrag genauer zu beschreiben.
Dann habe ich das Problem, nicht ehrlich genug zu sein. Ich stehe auf einer hohen moralischen Warte, habe ein Anspruchsniveau, dem ich selber nicht richtig gerecht werde.
In der Öffentlichkeit, der Medienwelt besteht ein Hang zum Moralismus und zur Idealisierung. Wir sind umgeben von Stars, schönen oder wenigstens erfolgreichen Menschen. Plato hätte seine Freude an diesem Idealismus gehabt. Die Medienwelt hat die Religion mit ihren Heiligen und barocken Fantasien abgelöst. So wie der hedonistische Materialismus die Leidenskultur des Christentums überwunden hat. Die dunkle Seite des Lebens wird durch die Freuden des Alltags, das Wohlergehen, die schöne Sinneswelt verdrängt oder exterritorialisiert. Das Bewusstsein vom Negativen wird von Erfolgsmeldungen abgelöst. Das Negative hat aber deswegen nicht seine Wirksamkeit verloren, wirkt weiter in Krankheiten, Ängsten, die mit immer mehr Sicherheiten bekämpft werden, in den Kriegen, die außerhalb der schönen Welt geführt werden, in den Anfällen von kollektivem Irrationalismus, privaten Ex- und Implosionen.
Die aus dem Bewusstsein gesperrten "Mächte der Finsternis" sind immer wieder wirksam. Es ist unmöglich, ihrer habhaft zu werden. Wir wissen vielleicht, was wir wollen, aber nur wenig, warum wir es wollen. Die Ziele unseren Handelns sind im Lichte des Bewusstseins, aber nicht die Ursachen und Beweggründe. Sie kommen oft aus dem dunklen Bereich. Unser Leben bewegt sich in der Polarität von Dunkelheit und Licht. Das ist, was uns in Bewegung setzt. Es wird nie eine für immer befriedigende Lösung geben. Vielleicht hilft es, sich des Negativen; Trostlosen, Unbewältigbaren, Hässlichen und Unpassenden bewusst zu werden.
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