War eine interessante englische Dokusoap bei Zdf-Neo. Ein bisschen dick ins wirkliche Leben gegriffen. Da die englischen Tussies, wie wir sie von den Soaps kennen – immer gut gestylt, falsche Wimpern, Frisuren die Stunden brauchen, ständig wechselnde Kleidung, zimperlich elitäres Gehabe. Die Boys verschiedener Natur, bis auf den Anarcho, der so gerne Hühnchen isst, aber bemüht. Star natürlich der Bauernsohn, jetzt sicher reif für eine Schauspielerkarriere. – Und auf der anderen Seite das Leben von Wanderarbeitern, der ekelerregende Gestank, Dreck, Schufterei, Moskitos usw.
Manches war sicher gestellt. Der Wechsel vom Schlafen draußen ins Viersternehotel zu unvermittelt, die Möglichkeit auszusteigen zu drastisch. Aber wenn wir von einem Fernsehkanal zu einem anderen zappen, oder manche schnell nach Asien fliegen, ist das schon Realität.
Natürlich fehlt den jungen Engländern – bis auf den Bauernsohn - der langsame Einstieg, fehlen die Voraussetzungen, dort zu überleben. Deswegen ist es letztlich doch bei einer Sicht von außen geblieben.
Am Schluss bleibt der Respekt vor der Leistung, dem Leben und der Arbeit der Thais. Aber Respekt ist nur eine Vor-Vorform von Ahnung, von Einfühlung, von Erkenntnis, von Mitmenschlichkeit und Partizipieren. Das Wort „Respekt“ wird zum Ergebnis der Sendungen. Aber „Respekt“ kippt leicht in Mitleid um. Die Kehrseite des Mitleids ist aber die Verachtung.
Deswegen sehe ich solche Versuche, so sehr sie doch etwas Realität nahebringen, mit einem zwiespältigen Gefühl. Denn die Innenansicht der Thais sieht doch etwas anders aus. Da sind sicher die Tränen, die aufkommen, wenn eine Thaifrau diese hübschen Weißen aus dem Paradies sieht, wenn in ihr ein Bewusstsein ihrer (relativen) Verdammnis aufsteigen mag. Da sind aber auch die thailändischen Kollegen, die die jungen Engländer mit ihrem Stolz im Schatten stehen lassen und ihnen zeigen, wie man richtig arbeitet.
Für wirkliche Erfahrungen – das weiß jeder, der irgendwo in exotischen Bereichen eingestiegen ist – braucht es viel Zeit. Und man wird dann nach Jahren erst merken, wie wenig man weiß.
Ein anderes Gefühl, das bleibt, ist das der Ohnmacht. Was lässt sich tun? Sollen wir jetzt auf Thunfisch, Reis, T-Shirts verzichten und die Menschen dort arbeitslos machen? Ein Protest hier wird in Thailand oder Indien nichts verändern. Es sind ähnliche Strukturen wie hier: eine brutal verdienende Oberschicht, die das Volk enteignet hat, die Konkurrenz auf dem Weltmarkt, die einen Wettbewerb der Verarmung auslöst. Wenn wir das T-Shirt bei Adidas statt bei Aldi kaufen, ändert sich am Einkommen der Arbeiter dort nichts, auch nicht Parolen, GuteAbsichtsErklärungen, Caritas.
Eine nur regionale Wirtschaft als Alternative zum Weltmarkt? Oder keine Handelsbeziehungen zu Ländern, in denen nicht ein Mindeststandard von Gerechtigkeit herrscht?
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