Freitag, 9. Juli 2010

Vuvuzelas

Seltsames am Rande: In einem Freien-Radio-Interview meint ein Antideutscher, Vuvuzelas wäre schon deswegen ein zivilisatorischer Fortschritt, weil man dann die deutsche Nationalhymne nicht verstehen könnt. Überhaupt gehörten Vuvuzelas zur afrikanischen Kultur... – Ich war mehrere Jahre im südlichen Afrika und habe nie und nirgends eine Vuvuzela gehört, wohl aber viel christliches Gospelsingen, die polyrhythmisch begleiteten Gesänge bei Fußballspielen, Trommeln und natürlich Highlife-Pop, etwa von Thomas Mapfumo in Harare mit seinen Blacks Unlimited, aber auch die vom zentralen Afrika beeinflussten „Rumbas“ . Ein Beispiel von Musikalität mit einfachen Mitteln : http://www.youtube.com/watch?v=-5OFPEhkn2c&feature=related .
Vuvuzelas zeigen die Barbarisierung des afrikanischen Kontinents. Auf der einen Seite die neokoloniale Oberschicht, brutale und skrupellose Ausbeuter, auf der anderen Seite die verelendeten Massen, deren kulturelle Autonomie auf das Primitivste und Gewaltsamste reduziert ist.

Ach ja Deutschlands Gewerkschaften und ihre Trillerpfeifendemonstrationen

Donnerstag, 8. Juli 2010

Danke, Herr Löw

Sie haben mir mit der Niederlage Ihrer Mannschaft den Anblick dieser Merkel erspart, wahrscheinlich wieder neben Ihrem Korrumpel und Polygamisten Zuma. Jetzt muss sie sich eben woanders duschen.
Peinlich auch, dass die Multikultiphrase mit dem CDU-Schleim drüber nicht hingehauen hat. „Wir sind alle Merkel-Fans“ hat Löw vorher noch getrötet. Schön, dass Ihr eine draufbekommen habt.
Noch schöner und das wahre Sommermärchen wäre es, wenn nun die Menschen hier aufstehen würden gegen die schleichende Einführung der Kopfpauschale. Diesmal offensiv, kreativ, mit flacher Hierarchie und ohne 6 Millionen-Vertrag, wie ihn dieser Zinnsoldat von Trainer verlangt.

Dienstag, 6. Juli 2010

Lust zu arbeiten

ist bei mir eher selten. Was ich derzeit am liebsten mache, ist rumhängen, mich von Gedanken leiten zu lassen, nicht organisiert voranschreiten, sondern surfen, nachdenken, formulieren, dann wieder einem anderen Gedanken nachhängen, unsystematisch, nicht zielvoll effektiv.

Arbeit, wie sie andere Leute machen, war mir immer zuwider. In der Schule habe ich zwar die Hausaufgaben gemacht – unter Überwachung – aber nicht mit Lust, eben gelangweilt. Die Schule hat mir Angst gemacht, wenig Spaß.

Bei Ferienarbeit bin ich zwar pflichtgemäß immer pünktlich erschienen, aber ich war froh, wenn sie vorüber war. Selten habe ich Arbeiten gehabt, wo ich nicht jeden Tag bis zum Ende, wenn nicht sogar jede Stunde gezählt habe.

Mein Studium habe ich so organisiert, dass ich einerseits die Pflichtanteile mit Anstrengung erledigt habe, aber nebenbei oder hauptsächlich mich Sachen gewidmet habe, die mich interessiert haben. Und es hat mich eine Menge interessiert. Erst in einem fortgeschrittenen Stadium fielen mir die Pflichtanteile des Studiums, Seminare, Referate usw. leicht und ich habe sie mit Lust gemacht.

Wenn ich die Nachbarn jeden Morgen bienenfleißig zur Arbeit fahren höre, frage ich mich, wie sie es schaffen mit dieser Selbstverständlichkeit zur Arbeit zu gehen. Die meisten Jobs, die ich gemacht habe, waren für nur möglich mit der Aussicht, sie irgendwann, sei es nach 2 oder 5 Jahren zu beenden. Die meisten Menschen werden zu ihren Jobs gezwungen. Haben sie sich dann daran gewöhnt, machen sie es dann seltsamerweise zu ihrem Selbst, identifizieren sich damit und können ohne diese Arbeit nicht mehr leben.

Das zu tun, was ich für richtig halte, das habe ich nie für möglich gehalten. Liegt es etwa daran, dass ich eine eigentliche Bestimmung meines Lebens verfehlt habe? -

Schreiben? Ja – aber ich bin zu weit außerhalb des Mainstreams, als dass mir da einer folgen würde. Gerade das Anschreiben gegen Konsum und für Arbeit begeistert niemanden.
 
Warum betreibe ich aber in meiner Gesellschaftskritik einen solchen Arbeitskult, betone immer, dass Arbeit den Sozialismus ausmacht? Mache ich es nicht so wie die meisten der zu Arbeit Gezwungenen. Wenn sie jemand nicht so schuften sehen, wie sie selber müssen, kommt in ihnen der Neid hoch, die Wut, die sie selber im Arbeitszwang unterdrücken müssen und sie könnten aus dieser Wut heraus die ganze Gesellschaft zum Konzentrationslager machen. Ich kenne dieses Gefühl.
Aber je länger die Flucht vor der Arbeit, etwa durch schulische Bildung, durch Technologie und Wissenschaft, möglich ist, umso länger wird der Zwangscharakter der Arbeit aufrechterhalten, wird es notwendig sein, den Konsum auszuweiten, die Rohstoffe auszubeuten, die Erde zu zerstören.
 
Man kann Arbeitsunlust auf eine Persönlichkeitsstörung zurückführen oder auf eine misslungene „Integration“ in eine Gemeinschaft „arbeitender“ Menschen. Wie würde eine solche „Integration“ aussehen? Auf keinen Fall wäre es die Einübung privater Cleverness im Kampf um individuelle Vorteile, wie sich hier „Bildung“ nennt, sondern die einem verantwortungsvollen Verhalten gegenüber den kollektiven Lebensgrundlagen. Das sind Natur, Arbeit und Gemeinschaft.

Mittwoch, 30. Juni 2010

BUNDESPRÄSIDENTENWAHL: DEMOKRATIEFARCE

Gerade findet die Wahl des Bundespräsidenten statt. Zwar ist er eine politisch unwichtige Figur, doch repräsentiert er in seinen Reden das Denkniveau der herrschenden Mittelschicht, also der Schicht, die hier das Sagen hat, die sich nach vorne drängt, die Ton und Themen dessen bestimmt, was verhandelt werden soll. Es ist diese Schicht, die durch die „Bildungs“institutionen, Hierarchien in Arbeit und öffentlicher Verwaltung sich reproduziert samt ihrem ökonomischen Untergrund, einer Art von Sozialkapitalismus ohne Rücksicht auf Natur und Arbeit.

Eine Volksabstimmung darf es wohlweislich nicht geben mit dem guten und allseits einleuchtenden Argument, dass das Volk viel zu dumm sei für eine solch schwerwiegende Entscheidung. Nachdem es vorher durch die Bildungsinstitutionen, die Verweigerung Verantwortung zu übernehmen dumm gemacht wurde. Dumm gemacht durch die Verweigerung von Diskussion, der Tradierung autoritären Denkens, Abschaffung politischer Diskussionskultur, einer nur noch an Differenzierung orientierten Bildung, dem Abgewöhnen demokratischer Prinzipien durch die Missionierung in dogmatischem Denken. Dogmatisches Denken trainiert durch Wissenschafts- und Technikgläubigkeit, der Ausstattung der Lehrer mit übermenschlichen Entscheidungs- und Machtbefugnissen.

Ein Paradebeispiel dieses autoritären Denkens gab die Ruck- und Rumpelrede Herzogs, dieses postfaschistischen Juristen, Schüler des Nazi-Maunz und Edelrentner, der das Rentensystem der Arbeiter zerstören möchte, Wahlrechtsänderungen fordert, wenn ihm die Ergebnisse nicht passen. Beispiel gab auch Köhler, der seine Untergebenen mit Wutanfällen traktierte.

Dienstag, 22. Juni 2010

Fahrverbot für Gewalttäter und Diebe

Die sollen dann also mit dem Rad fahren. Rad fahren ist eine Bestrafung. Etwas wie eine Freiheitsnahme. Freiheit ist Gaucks Thema. So wie bei Beethovens Fidelio. Also Radfahrer sind …Gewalttäter, Diebe? Vielleicht nicht. Aber doch Unfreie, wenn auch manchmal Vogelfreie. „Radfahrer absteigen!“ lese ich immer wieder, nicht „Autofahrer aussteigen und schieben!“.

Auch wenn das Fahrverbot nicht verwirklicht wird, zeigt der Gedanke doch wie Freiheitsrechte und Bestrafung interpretiert werden. Freiheit ist Mobilität, Geschwindigkeit. So haben es die Futuristen, so hat es – ich bitte die Assoziation zu entschuldigen – der Designer des Orignalkäfers (http://propagander2.tripod.com/index-6.html) und Gründer von „Wolfsburg“ ( Die kleinen Wagners nannten ihn “Onkel Wolf“) gesehen. Autofahren verstand er als Teil der Eroberung der Welt, des Erfahrens der nationalsozialistischen Eroberungen, der Größe Deutschlands. Die Autobahnen sollte sein Weltwunder werden. Eine Grundlage dazu war die Reichsgaragenordnung der Käfer, die Autobahn. Mit dem Auto wurde der faschistische Mensch durchgespielt:

- Anarchisch und freiheitsorientiert ohne die Verpflichtung, sich auf außen gesetzte Normen wie Fahrplan, Verkehrsunternehmen, unterwerfen zu müssen

- Das schwache Ich, das in der Gesellschaft immer wieder seine Ohnmacht, Schwäche und Unterlegenheit erfährt, wird durch die Droge „Motor“ high gemacht. In dem Panzer des Autos sitzt der Bürger wie in einer Burg, vermehrt Gewicht und Schlagkraft enorm

- Der faschistische Mensch lebt expansiv nach außen, er will den äußeren Raum kontrollieren und erobern. Gleichzeitig löst er traditionelle Territorien und Bindungen auf

- An die Stelle von Rationalität, Selbstkontrolle und Selbstbeschränkung, von Diskussion, politischer Kommunikation und Kampf tritt der lustbetonte, sich selbst inszenierende Egomane, der kleine Führer

- Mit seinen Unterscheidungen und Hierarchien bietet der Verkehr die Möglichkeit zu triumphieren, sich überlegen zu fühlen
 
Zu starke Worte? Muss man nicht zuerst auf die Grundsituation des modernen Menschen blicken, seine Abhängigkeit von ökonomischen Strukturen, seine Schwäche, die Konkurrenzsituation, die ihn in Kampfsituationen zwingt, einen Charakterpanzer ausbildet, eine Realität, die ihn zu Drogen, Fantasien, Illusionen zwingt, die Kommunikation nicht entwickelt?

Erfährt der Autofahrer nicht gerade wieder seine Eingebundenheit in viele Regeln, in den ökonomischen Prozess, seine Abhängigkeit von gesellschaftlichen Prozessen? Sicher, es ist eine nur scheinbare Befreiung. Aber es öffnet nicht sein Bewusstsein für etwas Anderes. Zar wird viel über öffentlichen Nahverkehr usw. geredet, aber in Wirklichkeit wächst nur die private Mobilität.

Sonntag, 20. Juni 2010

„Innerer Reichsparteitag“

hat eine Moderatorin gesagt und gleich haben die moralisierenden Heuchler der sauberen Republik aufgeheult. Die Gefühle, mit denen die Nazis diese Reichsparteitage manipuliert haben, sind menschliche – lassen sich für Bösartigkeiten benutzen –Wollt ihr den totalen Krieg“ – und für Erlebnisse von Gemeinsamkeit. Für den bürgerlichen Individualismus ist jedes Erlebnis von Gemeinsamkeit verdächtig, Vertrauen gibt es nur in Dinge: Privatbesitz, Geld. Das Vertrauen in andere Menschen ist messbar im Wert entgegengebrachter Arbeit oder Dienstleistungen. Freundlichkeit ist ein Akt, der nötig ist, das Geld beim Kunden locker zu machen.

Die Reaktion der Empörten will ja nicht nur die Begriffe bekämpfen, sondern auch die gemeinten Gefühle. Ich gebe zu, ich selber kann Massenveranstaltungen nur schwer ertragen, seien es Rockkonzerte, seien es linke Teach-Ins mit Tonsteinescherben. Das Hören des Sportpalastrede 1965 hat bei mir eine Gänsehaut verursacht – eine Empfindung des Grauens - und ich finde es merkwürdig, wenn die jungen Dummen ein solches Gefühl erstrebenswert halten. Aber es hat keinen Sinn, diese Gefühle zu verbieten. Zuerst müssen sie entdramatisiert werden, aus dem faschistischen Kontext herausgenommen, dann die damit verbundenen Bedürfnisse nach Gemeinsamkeit, Identität, Größe, Stärke in das Bewusstsein rational aufgenommen werden.

Ich gebe zu, ich gehe diesen „faschistischen“ Gefühlen aus dem Wege, wie ich auch Massen aus dem Wege gehen. Freud hat sie in seiner Massenpsychologie denunziert, freilich auch aus bürgerlicher Sicht. Die Massen verkörpern bei ihm -durch ein idiotisches Ich-Ideal vereint – die dumme Triebhaftigkeit, Mordlust und Barbarei. Die große Gemeinsamkeit ist ein gefährlicher Traum, und trotzdem schön.

Freitag, 18. Juni 2010

SARAMAGO

Mit seiner Stadt der Blinden“ hat er mich mit faszinierende Bildern beeindruckt. Warum faszinierend? Vielleicht weil er ein Lebensgefühl spiegelt, inmitten von Idioten, Blöden, Lügnern, Banditen und Verbrechern zu leben, Menschen, denen man nur mit Ignorieren, Schweigen, Rückzug entkommen kann. Schweine, die überall ihren Dreck abladen und die öffentlichen Räume besetzen.

Gleichzeitig kommt darin eine Hoffnung auf, dass die Blindheit, die den wahren Charakter der Menschen offenlegt, zu einer vorübergehenden wird, eine Katharsis denkbar ist und neue, solidarische Beziehungen zwischen den Menschen ermöglicht.

Auch in der „Stadt der Sehenden“ ist es wieder das zum Schweigen verurteilte Volk, das sich durch seine passive Resistenz der Kriminalität der Herrschenden widersetzt.

Saramago gibt in seinen Büchern immer wieder Zeugnisse gegen die Macht und ihre Sprache der Lüge ab. Ich bin ihm dankbar, dass er sich auch zu Palästina eindeutig geäußert hat, ebenso zu einem nur noch mit Ironie begreifbaren Evangelien- und Bibelkult.