Die sollen dann also mit dem Rad fahren. Rad fahren ist eine Bestrafung. Etwas wie eine Freiheitsnahme. Freiheit ist Gaucks Thema. So wie bei Beethovens Fidelio. Also Radfahrer sind …Gewalttäter, Diebe? Vielleicht nicht. Aber doch Unfreie, wenn auch manchmal Vogelfreie. „Radfahrer absteigen!“ lese ich immer wieder, nicht „Autofahrer aussteigen und schieben!“.
Auch wenn das Fahrverbot nicht verwirklicht wird, zeigt der Gedanke doch wie Freiheitsrechte und Bestrafung interpretiert werden. Freiheit ist Mobilität, Geschwindigkeit. So haben es die Futuristen, so hat es – ich bitte die Assoziation zu entschuldigen – der Designer des Orignalkäfers (http://propagander2.tripod.com/index-6.html) und Gründer von „Wolfsburg“ ( Die kleinen Wagners nannten ihn “Onkel Wolf“) gesehen. Autofahren verstand er als Teil der Eroberung der Welt, des Erfahrens der nationalsozialistischen Eroberungen, der Größe Deutschlands. Die Autobahnen sollte sein Weltwunder werden. Eine Grundlage dazu war die Reichsgaragenordnung der Käfer, die Autobahn. Mit dem Auto wurde der faschistische Mensch durchgespielt:
- Anarchisch und freiheitsorientiert ohne die Verpflichtung, sich auf außen gesetzte Normen wie Fahrplan, Verkehrsunternehmen, unterwerfen zu müssen
- Das schwache Ich, das in der Gesellschaft immer wieder seine Ohnmacht, Schwäche und Unterlegenheit erfährt, wird durch die Droge „Motor“ high gemacht. In dem Panzer des Autos sitzt der Bürger wie in einer Burg, vermehrt Gewicht und Schlagkraft enorm
- Der faschistische Mensch lebt expansiv nach außen, er will den äußeren Raum kontrollieren und erobern. Gleichzeitig löst er traditionelle Territorien und Bindungen auf
- An die Stelle von Rationalität, Selbstkontrolle und Selbstbeschränkung, von Diskussion, politischer Kommunikation und Kampf tritt der lustbetonte, sich selbst inszenierende Egomane, der kleine Führer
- Mit seinen Unterscheidungen und Hierarchien bietet der Verkehr die Möglichkeit zu triumphieren, sich überlegen zu fühlen
Zu starke Worte? Muss man nicht zuerst auf die Grundsituation des modernen Menschen blicken, seine Abhängigkeit von ökonomischen Strukturen, seine Schwäche, die Konkurrenzsituation, die ihn in Kampfsituationen zwingt, einen Charakterpanzer ausbildet, eine Realität, die ihn zu Drogen, Fantasien, Illusionen zwingt, die Kommunikation nicht entwickelt?
Erfährt der Autofahrer nicht gerade wieder seine Eingebundenheit in viele Regeln, in den ökonomischen Prozess, seine Abhängigkeit von gesellschaftlichen Prozessen? Sicher, es ist eine nur scheinbare Befreiung. Aber es öffnet nicht sein Bewusstsein für etwas Anderes. Zar wird viel über öffentlichen Nahverkehr usw. geredet, aber in Wirklichkeit wächst nur die private Mobilität.
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