Sonntag, 19. September 2010

LANDGERÜCHE

Landluft, sie riecht, sie stinkt aber auch. Da ist das Heu, der Waldgeruch, der bei Nacht durch das offene Fenster zieht, der Geruch von Kuhstall, von Pferden.
Dann aber der Gestank der Schweine, die hier in Fabriken zu Hunderten gehalten werden. Oft weit draußen außerhalb der Siedlungen. Nur der Gestank und die Schreie verraten sie. Das ist der Fraß für die Deutschen. 54 kg schlingt der Durchschnittsdeutsche im Jahr herunter, pro Tag also so 150 Gramm. Wenn mich das ekelt, ist das nicht wegen einer Tabuisierung des Schweins und seines Fleischs, sondern wegen der dummen und rücksichtslosen Gier, mit der diese Deutschen die damit vollen Einkaufswagen vor sich und ihren Fettbäuchen herschieben, die Gedankenlosigkeit, mit der sie die verwürzten Würste in sich hineinstopfen. Abgesehen von der Barbarei, mit der die Tiere gehalten werden. Hier wird der Auftrag der christlichen Bibel konsequent fortgesetzt: „Macht euch die Erde untertan“!
Je weniger Einkommen, desto mehr Fleisch wird gegessen.
Von der alten Kuhstallatmosphäre mit diesem spezifischen Geruch, einer Mischung aus Stroh, Heu und Mist, ist nicht viel geblieben. Es sind Fleisch- oder Milchindustriehallen. Früher war mancher Stall ganz aus Holz, verbreitete ein Gefühl von Wärme, so dass die Menschen oft ihre Schlafzimmer über dem Stall hatten oder sich wie bei Zola in „Die Erde“ an Winterabenden im Kuhstall trafen, um sich dort Geschichten zu erzählen oder sonstwie den Abend zu verbringen. Meine Kindheitserinnerungen an den Hof einer Großmutter sind die an eine magische Traumzeit.
Neuerdings kommen auf dem Land die Biogasanlagen dazu. In den letzten 6 Jahren hat sich ihre Zahl verzehnfacht, großzügig gefördert mit 6/8 c/kWh. Inzwischen gibt es keine brachliegenden Flächen mehr, es wird schwierig Pachtland zu finden. Zwar mag CO2 und sonstiger Klimakillergasausstoß gegenüber Heizöl auf etwa die Hälfte reduziert werden, aber die großen Flächen von Maismonokultur verbrauchen mit fossilen Brennstoffen produzierten Dünger, verbrauchen die begrenzten Phosphatvorräte, benötigen Pestizide – und verbreiten Gestank und den Lärm der Kraftwerksanlagen, der überdimensionalen Transportmaschinen, die im Umkreis von 20 km ihre Fracht heranfahren.
Der Geruch der Erde ist vermengt mit Diesel. Der spezifische Geruch der Kartoffelernten ist kaum mehr zu erleben. Der Geruch des reifenden Getreides war für mich schon seit Kindheit verbunden mit den Pestiziden, die man darauf spritzte.
 
Der Kapitalismus hat verschiedene Gesichter:
durch immer fortschreitende Rationalisierung vereinfacht er das Leben. Hat 1900 ein Bauer vier Menschen ernährt, so sind es heute 143 (2004).
dafür wird die Natur zur Industriefläche, verliert ihren autonomen Charakter, genauso wie die Menschen ihre Autonomie verlieren und zu einer Funktion der Arbeit und des Gelderwerbs werden.

Von den ca. 17 Mio. landwirtschaftlich genutzter Flache werden über 2 Mio. für Energiepflanzen genutzt, also ca. 12%. Damit werden ca. 10% des heutigen Energiehungers befriedigt. Selbst wenn sich das verdoppeln ließe, würde das nie ausreichen. Es gibt nur einen Weg: Energieverbrauch reduzieren, SPAREN!! Oder Krieg, Klassenkrieg und Barbarei.

Freitag, 10. September 2010

SARRAZIN ODER DIE GROSSE HEUCHELEI

Vor allem von der angeblich linken Seite wird gegen Sarrazin polemisiert, ungefähr in dem Ton: Rassismus, Faschismus und dergleichen mehr. Klar, dass Sarrazins Äußerungen über Vererbung Schrott sind, auch wenn die große Mehrheit daran glaubt, vor allem die große Mehrheit der Lehrer. Grade sie machen täglich die Erfahrung, dass sie mit den Schülern ihrer Schicht viel besser arbeiten können als mit den „Chaoten“ der Unterschicht. Was mir einmal ein Lehrer gesagt: „Ein guter Lehrer erkennt sofort in einer Klasse, wer gut oder schlecht abschließt“ ist pädagogisches Allgemeingut, ein Grund sich um die Schlechten gar nicht mehr zu bemühen.
Warum begreifen diese scheinbar Linken nicht, dass was Sarrazin da sagt, doch „Common Sense“ ist. Wie ist es möglich, dass der eine demokratische Grundüberzeugung hat, der immer nur irgendwelche Führer beschuldigt? Er hat einfach keine demokratische Einstellung. Er ist überzeugt, dass Politik ein Kampf der Eliten ist und dass er natürlich zu diesen Eliten gehört. Das ist das Elend aller Verschwörungstheoretiker: sie glauben tief im Innersten nur an die Macht und an die Mächtigen. Die Entwicklung dieser „Sozialisten“ ist historisch durchgespielt. Es kommt bei ihnen auch hinzu, dass sie Erfahrungen, die Menschen zu diesen Einstellungen und Irrtümern führen, nicht ernst nehmen, weil sie nicht mit Menschen reden wollen, weil sie sie nicht ernst nehmen, weil sie alle außer den Mächtigen für Idioten halten, weil sie nicht argumentieren können oder wollen. Schlimmer noch, weil sie überhaupt nichts verändern wollen, weil sie Feindschaften genauso lieben wie ihre Feinde.
Aber um ehrlich zu sein, ich glaube an die Unveränderbarkeit dieser „Linken“ genauso wie an ihre erworbene Dummheit. Es lebt sich so schön im linken Milieu, an seine Geschlossenheit und Unzugänglichkeit, seinem erlesenen Elitemilieu und den vielen Ausschließungsmerkmalen. Nicht Jeder soll dazugehören. Geschlossene Gesellschaft. Abgrenzung. All das, was sie an Sarrazin so bemängeln.
Oft sind es die gleichen „Linken“, die in ihren Berufen in asymmetrischen Beziehungen zu anderen Menschen stehen, sei es als Lehrer, Betreuer, Erzieher, Sozialarbeiter usw. Genauso wie sie an die Intelligenz und ihr Primat glauben, so glauben sie – und das noch viel mehr – an ihre eigene Intelligenz und Überlegenheit.
Warum nicht die Frage stellen, was hinter den Ressentiments gegen Fremde ist, diese Mischung verschiedenster Gefühle? In welchem Verhältnis sie zu Verstand und Moral stehen, was auf biografischer Erfahrung, Charakterbildung und Charakterlosigkeit aufbaut, was an gewaltsamer Vergesellschaftung und was an sozialer Verwahrlosung, was an dem Einfluss von Medien und was an Kommunikationsdefiziten. Warum nicht, bevor man zum Moralisieren übergeht oder nach der Moral ruft, zuerst bei der Erkundung des Wissbaren, dem „wissenschaftlichen Sozialismus“ bleiben?

Freitag, 27. August 2010

NACHTRÄGLICHE SICHERUNGSVERWAHRUNG

Nicht weil ich zu Allem meinen Senf abgeben muss, sondern weil ich in der forensischen Psychiatrie einige Zeit in einer subalternen Position gearbeitet habe. Dort waren Delinquenten, die vom Gericht wegen verminderter Zurechnungsfähigkeit in die Forensik eingewiesen wurden. Das Pfleger-Patientenverhältnis war ca. 1 zu 1. Die „Therapie“ bestand aus ca. 6 Stunden Arbeit mit sehr beschränkten Auswahlmöglichkeiten in Küche, Montage, Wäscherei, Gärtnerei, Abfall. Daneben Sport, „Kunst“ und ähnliches. Schwerpunkt der Therapie war die Medikation, teilweise stark sedierend, dann im Forum, wo das Ziel war, dass die Patienten die Verantwortung für ihre Delikte übernehmen sollten. Delikte dort reichten von Tötung, Brandstiftung, pädophilen Übergriffen zu bedrohlichem Verhalten unter Einfluss von Psychosen.



Über die Konzeption der Therapie wurde von den Ärzten entschieden. Obwohl ihr Konzept eher liberal war, war der Schwerpunkt doch die Medikation und disziplinarische Erziehung. Interventionen vollzogen sich in der Regel um die Verabreichung von Medikamenten und Verhaltensdisziplin, die Konflikte um die Anstaltsordnung. Es gab Psychologen, in der Regel verhaltenstherapeutisch orientiert, es gab den Versuch zu einer Enthierachisierung durch eine relativ kollegiale Führungsstruktur, es gab – sehr locker – eine Supervision.



Die Pfleger dominierten den Alltag. Sie hatten übliche Krankenpflegerausbildung mit einer zweijährigen Zusatzausbildung. Fortbildungen wurden großzügig gewährt. In der Regel waren die Pfleger auf die Einhaltung der Regeln orientiert, Themen waren die Schuldzuweisung und Verhängung von Disziplinarmaßnahmen. Ursachen, Motive biografische Hintergründe standen nicht zur Diskussion. Ich konnte bei ihnen auch kein psychotherapeutisches Konzept erkennen. Typisch ihr Fernsehkonsum bei Nacht: Actionfilme, Privatfernsehen etc., dazu Egoshooterspiele auf der Playstation. Ich habe keine/n sich mit Fachliteratur beschäftigen gesehen. Wäre ich selber Patient gewesen, hätte ich vielleicht ein oder zwei von ihnen ertragen können. Ich konnte froh sein, dass nach einiger Zeit meine Stelle aufgelöst wurde. Ich hatte von dieser Schicht mehr erhofft. Ihr im groben Ganzen gesehenes menschenfeindliches Verhalten hat mich deprimiert und desillusioniert, zeigte mir wie unsere Gesellschaft hoffnungslos eingeschlossen ist. Im Gegensatz zu dem Bild der angeblich armen und überforderten Krankenschwester haben diese Kollegen recht gut verdient, viermal so viel wie ich. Ihr Privatleben war oft geprägt von Scheidung, Beziehungsproblemen, Single-Leben. Am erträglichsten oft die, die ihrer Arbeit indifferent gegenüberstanden und ihren Schwerpunkt anderswo hatten und die Arbeit nur als unliebsame Unterbrechung ihrer Freizeit ansahen.



Die nachträgliche Sicherverwahrung soll in solchen Institutionen erfolgen. Das kann nicht sinnvoll sein.



Da hat ein Täter seine Strafe abgesessen, manchmal viele Jahre. In der Zeit hat er seine Taten nicht im Sinne einer Bewältigung aufarbeiten können, sondern in der Regel sich nur mit sich identifizieren müssen oder können, hat seinen Charakter als nur verfestigt. Dann soll nach diesem Prozess plötzlich eine Therapie möglich sein? Die müsste doch zuerst eine Therapie der vorausgegangenen Bestrafung sein.



Der Begriff der individuellen Schuld und Verantwortung ist zwar notwendig zur Aufrechterhaltung einer gewissen gesellschaftlichen Ordnung, ist aber nie ein Konzept Fehlverhalten zu korrigieren, pathologische Charaktere zu therapieren.

Was wäre nötig?



Ich bin überfordert, ein Konzept für alle Fälle zu entwerfen. Einerseits sind Zwangsmaßnahmen notwendig, andererseits läuft eine Verhaltensänderung nur über Einsicht und Freiwilligkeit, Das begleitende Personal muss die Dialektik von Zwang, Strafe und Kommunikationsproblemen bei sich selber fühlen, wahrnehmen und damit umgehen können, bevor sie andere zu ihrem Opfer machen.

Donnerstag, 26. August 2010

Sarrazin - WARUM SICH AUFREGEN?

Da ist ein Problem, die Zuwanderung von 7 Millionen in den letzten 20 Jahren, Zuwanderung während einer hohen Arbeitslosigkeit. Es hat die Gesellschaft in einer nicht begriffenen Art und Weise verändert, die Differenzierung vorangetrieben, die Mittelschicht neu strukturiert und stark gemacht, den Neoliberalismus gestärkt, die Arbeiterbewegung paralysiert. Ausländer treten mehr und mehr als Vertreter eines Kollektivs auf: nicht nur sie sind ein Schema für uns, auch wir für sie. Wenn wir mit ihnen sprechen, nehmen wir zunächst unsere und ihre Andersartigkeit wahr. Es fehlt die Identifikation, das Fremde ist mehr als das Gemeinsame und Identische, die Zugehörigkeit und Angehörigkeit. – Soweit die sozialpsychologische Seite, angedeutet die politische.

Was nicht geht, ist, das Problem einfach zu ignorieren und es dem vorzuwerfen, der darüber spricht. Deswegen ist das Verhalten der Morallinken, des linken Mittelstands so schwach. Sarrazin ist offensichtlich ein Idiot, trotzdem wird sein Buch zum Bestseller.

Mit der Vokabel „Rassismus“ kommt man nicht weiter
 
So war es auch schon mit seiner Armutsaufforderung von damals. Eingeschränkt leben wäre ok, aber er sollte sich daran selbst halten. Bei ihm ist es eine aggressive, verletzen wollende Haltung.

Ich denke, dass wir nur dann menschlich handeln, wenn wir so leben, dass alle auf dem gleichen Niveau leben können.
Das bedeutet etwa ein Energieverbrauch mit nicht mehr als 1 bis 2 to CO2 - Ausstoß pro Person und Jahr.

Großverdiener und Großverbraucher wie Sarrazin sind asoziale Heuchler, verstehen aber das Geschäft, Ressentiments gegen die da unten am Köcheln zu halten. Sie brauchen das von ihnen immer wieder gezeichnete Bild von der Unterschicht, um sich selber in ihren Funktionen als Lehrer, Sozialarbeiter, Politiker, Volksführer und Volksverräter, Medienschwätzer usw. bestätigen zu können. Immerhin weist die Hetze von Sarrazin eine gewisse Ehrlichkeit auf, im Gegensatz zu seinen Kritikern aus der Mittelschicht, die alles tun, sich von ihm verbal zwar abzugrenzen, aber materiell noch mehr von der von ihnen „verteidigten“ Unterschicht.

Mittwoch, 25. August 2010

BARCELONA - UN-HABITAT

Ich lese

Der frühere Bürgermeister von Barcelona, Joan Clos, soll neuer Chef des UN-Programms für menschliche Siedlungen (UN-HABITAT) werden. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki Moon, nominierte den 61-jährigen Spanier am Montag für den Posten, wie eine Sprecherin in New York mitteilte. Die UN-Vollversammlung muss der Personalie noch zustimmen. Das vierjährige Mandat beginnt am 18. Oktober.(hier).

Barcelona also ein Modell für die Welt? Überall höre ich nur bewundernde Berichte über Barcelona. Eine zeitlang galt Barcelona als Traum der Linken und manche haben statt Castillan Katalan gelernt.
Gut, die Stadt hat ihren Reiz. Rentnergruppen in Parks. Vielleicht noch Cafes, Bars.

Aber dann ein einziger Alptraum: Autos, Autos, Plattenbauten x-mal schlimmer als im Osten, die Stadt als Konzentrationslager. Übersichtliche endlose Straßen, ideal für den imperialen Blick, Kartätschen und Verkehrsfluss. Fassaden und dahinter Öde. Kulturelle, sportliche Großereignisse für Jetset und Massen, die Massenerlebnisse suchen.
 
Die Berufung von Joan Clos zeigt das gegenwärtige Menschheitsideal: grandioses Ambiente an Stelle von menschlichen Lebensverhältnissen, es ist wie Letzte Ölung statt wirksamer Medizin.

Dienstag, 24. August 2010

SCHLINGENSIEF

Es ließe sich höhnen, dass sein Tod der Absturz eines bürgerlichen Individuums war. Der Zahnarztsohn, der die kindliche Illusion der Anständigkeit der Welt mit seiner künstlerischen Gesellschaftskritik aufrechterhalten will. Welchen Sinn soll es haben, Kohl zu attackieren, diesen machtbesessenen und asozialen Fettkloß – die Frasenhaftigkeit und Oberflächlichkeit des bürgerlichen Kulturbetriebs? Wie soll das möglich sein, ohne auf sozialrevolutionäre Alternativen zurückzugreifen, andere als private Menschlichkeit und Anständigkeit einzelner Individuen, die eigentlich nur nett sein wollen? Und ohne dabei belangloses Element der Unterhaltungsindustrie zu werden, hier eben als nettes Enfant terrible.

Als der Tod eines netten Bekannten ist sein Sterben rezensiert worden, teilnahmsvoll, sympathisierend. Da war kein politischer Widerhaken, nichts, was weh tun könnte. Als Hinterlassenschaft blieb manches zum Drüberreden, das romantische Afrikaprojekt, aber ohne seine Egomanie von niemand anderem getragen, schon gar nicht von Afrikanern.

Einem Tod kann man nicht entkommen. Ob ein Mensch „seinen“ Tod hat, bezweifle ich. Nicht dass es eine großartige Wahl gibt, aber unausweichlich? Schlingensief hat sein Sterben, egoman und darin ehrlich, öffentlich inszeniert. Diese öffentliche Inszenierung hat die Tendenz immer wieder ins Theatralische umzukippen. „Theatralisch“ heißt: nachgespielt, unecht, egozentrisch. Das passiert jedem Menschen, sobald er nur den Mund aufmacht, ein Wort schreibt.

Der Deutung, dass es sich bei seinem Leiden um Todessehnsucht handelt, ist er ambivalent gegenübergestanden. Warum ist er auf diese Dimension nicht eingegangen, warum hat er in sich diese destruktiven Teile nicht wahrgenommen, gefühlt? Stattdessen von Verantwortung geredet und den Arzt gewechselt, von Angst geredet, als wäre sie durch Fremdes von Außen bedingt? Warum hat er diesen Gesundheits- und Überlebenswahn mit Therapie und Religiosität weitergelebt? Warum hat er so wenig zur Erforschung des Inneren des Menschen beigetragen und es mit Theatralik übertüncht?

CINEMA JENIN

Immer wieder startet die öffentlich-rechtliche Propagandamaschine neue Kampagnen. Derzeit sind es die Hilfeaufrufe für Pakistan. Einige Zeit davor war es Jubel für das „Cinema Jenin“. Vorgestern dazu noch ein Jubelbeitrag in Moors ttt. Die medial herrschende Schicht will, dass sie nicht mehr mit den Verbrechen der Nazis in Verbindung gebracht wird. Dafür soll Geld für „Kulturarbeit“ bei den Palästinensern helfen, Israels Unrechtstaat zu stabilisieren. Ist doch nichts so schön, wie Träumen und die Realität vergessen im Kino. Wir Deutschen sind das ja gewohnt. Viele haben sich im Krieg die Schinken der Nazipropaganda reingezogen, viele - und wenn ich müde und fertig bin auch ich -, sitzen heute vor der Kiste und lassen sich von irgendeiner Story ablenken.

Dieses Rezept soll auch in Palästina helfen und die Gedemütigten, Rausgeworfenen und Unterworfenen ihre Geschichte vergessen lassen. Friede soll sein. Die Palästinenser sollen für die Deutschen büßen und ihre Rolle brav mitspielen. Dann wird von Versöhnung gefaselt. Gleichzeitig wird unter der Regie der Amerikaner ein Theater von Friedensverhandlungen inszeniert, in dem nach denen von Oslo neue Lügen vorgeführt werden.

Krieg ist für die Palästinenser keine Option. Bis sie die technischen Voraussetzungen hätten – ich rede jetzt in der zynischen Sprache der Israelfreunde -, den Krieg genauso „effizient“ wie Israel zu führen - Verhältnis der Toten von 1:10 oder 1:100 oder wie beim letzten Gazakrieg 1:150 - würde es vielleicht noch ewig dauern. Eine würdevolle Lösung ist unter gegebenen Verhältnissen nicht möglich. Aber eine weniger würdelose – und das wäre der Boykott dieses „Friedenkinos“.