Freitag, 29. Oktober 2010

„Blut, Schweiß und Fastfood“

War eine interessante englische Dokusoap bei Zdf-Neo. Ein bisschen dick ins wirkliche Leben gegriffen. Da die englischen Tussies, wie wir sie von den Soaps kennen – immer gut gestylt, falsche Wimpern, Frisuren die Stunden brauchen, ständig wechselnde Kleidung, zimperlich elitäres Gehabe. Die Boys verschiedener Natur, bis auf den Anarcho, der so gerne Hühnchen isst, aber bemüht. Star natürlich der Bauernsohn, jetzt sicher reif für eine Schauspielerkarriere. – Und auf der anderen Seite das Leben von Wanderarbeitern, der ekelerregende Gestank, Dreck, Schufterei, Moskitos usw.
Manches war sicher gestellt. Der Wechsel vom Schlafen draußen ins Viersternehotel zu unvermittelt, die Möglichkeit auszusteigen zu drastisch. Aber wenn wir von einem Fernsehkanal zu einem anderen zappen, oder manche schnell nach Asien fliegen, ist das schon Realität.
Natürlich fehlt den jungen Engländern – bis auf den Bauernsohn - der langsame Einstieg, fehlen die Voraussetzungen, dort zu überleben. Deswegen ist es letztlich doch bei einer Sicht von außen geblieben.

Am Schluss bleibt der Respekt vor der Leistung, dem Leben und der Arbeit der Thais. Aber Respekt ist nur eine Vor-Vorform von Ahnung, von Einfühlung, von Erkenntnis, von Mitmenschlichkeit und Partizipieren. Das Wort „Respekt“ wird zum Ergebnis der Sendungen. Aber „Respekt“ kippt leicht in Mitleid um. Die Kehrseite des Mitleids ist aber die Verachtung.
Deswegen sehe ich solche Versuche, so sehr sie doch etwas Realität nahebringen, mit einem zwiespältigen Gefühl. Denn die Innenansicht der Thais sieht doch etwas anders aus. Da sind sicher die Tränen, die aufkommen, wenn eine Thaifrau diese hübschen Weißen aus dem Paradies sieht, wenn in ihr ein Bewusstsein ihrer (relativen) Verdammnis aufsteigen mag. Da sind aber auch die thailändischen Kollegen, die die jungen Engländer mit ihrem Stolz im Schatten stehen lassen und ihnen zeigen, wie man richtig arbeitet.
Für wirkliche Erfahrungen – das weiß jeder, der irgendwo in exotischen Bereichen eingestiegen ist – braucht es viel Zeit. Und man wird dann nach Jahren erst merken, wie wenig man weiß.
 
Ein anderes Gefühl, das bleibt, ist das der Ohnmacht. Was lässt sich tun? Sollen wir jetzt auf Thunfisch, Reis, T-Shirts verzichten und die Menschen dort arbeitslos machen? Ein Protest hier wird in Thailand oder Indien nichts verändern. Es sind ähnliche Strukturen wie hier: eine brutal verdienende Oberschicht, die das Volk enteignet hat, die Konkurrenz auf dem Weltmarkt, die einen Wettbewerb der Verarmung auslöst. Wenn wir das T-Shirt bei Adidas statt bei Aldi kaufen, ändert sich am Einkommen der Arbeiter dort nichts, auch nicht Parolen, GuteAbsichtsErklärungen, Caritas.
 
Eine nur regionale Wirtschaft als Alternative zum Weltmarkt? Oder keine Handelsbeziehungen zu Ländern, in denen nicht ein Mindeststandard von Gerechtigkeit herrscht?

Mittwoch, 27. Oktober 2010

MITTELSCHICHT

Im SWR-Forum gab es eine interessante Diskussion:
"Warum ist die Mitte der Gesellschaft so begehrt?"
Das bürgerliche Idyll, Gesprächsleitung: Dietrich Brants, SWR2 Forum vom 15.10.2010 Es diskutieren: Jens Bisky - Redakteur der "Süddeutschen Zeitung", Prof. Dr. Herfried Münkler - Politikwissenschaftler, HU Berlin, Dr. Gustav Seibt - Journalist und Historiker
 
Es kommt dabei zu interessanten Definitionen der Mittelschicht:
- gesellschaftlich engagiert, von Politik, Sozialarbeit bis Rockveranstaltungen,
- dynamisch: konkurrenzorientiert, aufstiegs- und individuumsorientiert,
- nicht statisch, will vorwärtskommen, zukunftsorientiert Neuerungen aufgeschlossen, wichtig Wohl ihrer Kinder
- daher: Sparen, Vermögen, finanzielle Sicherheit –
- aber zugleich damit zusammenhängend zu Ängsten neigend
- Ängste vor etwa: Inflation, Ausländer, Unterschicht, sozialer Abstieg, globale Konkurrenz
 
Es fehlen bei diesen mehr deskriptiven Definitionen:
- die gesellschaftliche Vermittlungsfunktion zwischen Unten und Oben, Reich und Arm, Macht/Ohnmacht, Befehlenden-Ausführenden, Planung - Handlung, Kohäsion und Lokomotion. (Zu Lokomotion und Kohäsion etwa: http://newsletter.resource-people.de/0502/management.php) Die Herrschenden (ursprünglich brutale, dann „legitimierte“ Gewalt) schaffen Notlagen: Terror, Angst, Hunger, das Fehlen der Produktionsmittel, Ausschluss und Ächtung) – die Mittelschichten pazifizieren.
- das Ziel der Systemerhaltung: in den Führungsfunktionen von Kohäsion und Lokomotion. Diese Funktionen entstehen spontan in Gruppen und sind unterschiedlich verteilt. Kommen sie nicht zum Ausdruck, fehlt eine der beiden, bricht die Gruppe zusammen, ein System, eine Gesellschaft auseinander.
Es wäre falsch, das für die Mittelschicht typische Konkurrenzverhalten nur als asozial, egoistisch oder autistisch zu denunzieren, denn Konkurrenz kann nur in Bezug auf die Anerkennung durch eine dritte Instanz erfolgen: die Liebe der Eltern, der Preis auf dem Markt, gesellschaftliche Beachtung und Anerkennung.
In diesem Sine setzt sich die Mittelschicht nicht gegen die Gesellschaft durch, sondern mit ihrer Hilfe. So wie Hitler seine Demagogie gebraucht hat, um an die Macht zu kommen, physische Gewalt zuerst eine zweitrangige Rolle gespielt hat.
(Wie Lokomotion und Kohäsion zusammengehen: http://www.youtube.com/watch?v=C5OoQadZTPk&feature=related )

Andere Frage: wie verhalten sich Mittelschicht und Arbeiterklasse? Ist die statisch, hat sie sie sich auf ihre exekutive, nicht kommunikative, asoziale Funktion eingeigelt? Oder ist sie nicht auch an den Werten der Mittelschicht orientiert? Sicherheit, Wohlstand, Machtpartizipation? Hat sie eigene Gedanken, Bewusstsein, einen Brain, eigene Intelligenz? Eigene Ziele, Themen, Parolen, Szenen, Symbole? (Gibt es sie überhaupt noch?) (Abgesehen von der Frage: Hat sie noch eine Zukunft? Ist Intelligenz nicht per se Mittelschicht? Trägt in sich Herrschaft?)

Samstag, 9. Oktober 2010

BÜRGERBEWEGUNG gegen S21

Es ist schwierig zu erkennen, was die Bewegung gegen Stuttgart 21 zusammenhält.
Geht es gegen das Geldausgeben? Das wäre eine schwäbische (Un)Tugend, nicht mehr. Oder soll das Geld irgendwo anders investiert werden, - etwa in Bildung? Aber Bildung hat nur sekundär etwas mit Geld zu tun. Und Bildung hat nichts zu tun mit einer Menge hochbezahlter Beamten, sondern ist ein Abrücken von Konsum und Produktion, Selbstreflexion statt Aktivismus, der Profit bringt.
Oder geht es um eine Entschleunigung? Das Argument habe ich öffentlich nie gehört. 26 Minuten mehr oder weniger – das ist kein Argument dafür oder dagegen.
Ohnehin, nehme ich an, gehört die Mehrheit der protestierenden Klientel zu denen, die Auto etc. benutzen.
Gegen die CDU und ihren Modernisierungskurs? Den tobt sie aus in: Industrialisierung, Landwirtschaft und Flurbereinigung, Rationalisierung im Bildungswesen, Verkehrsinfrastruktur. Manche mögen das Christliche daran nicht erkennen, aber das ist doch genau Christentum; das individuelle Heil vor das von Gesellschaft und Natur zu setzen. Andere vermissen das Konservative – aber das „survivial of the fittest“, der individuelle Egoismus, „Subsidiarität“ genannt, das ist doch echter Konservatismus.
Was ich als Motiv erkennen kann, ist ein gewisser Romantizismus: alte Bäume, Käfer, eine Bahnhofsfassade mit einem naturtümelnden Charakter – so wie sich die Kleinbürger manchmal ihren Besitz mit Natursteinen einfrieden, um ihrem Privateigentum einen ewigen Naturcharakter zu geben. Dieser Romantizismus hat aber nichts zu tun mit Energiesparen, Abkehr vom Auto, Gebrauch neuer Energiequellen, Konsumeinschränkung. Es sind die Wohlverdienenden und Gesicherten, die hier aktiv sind, nicht die, die sich der konkurrierenden Industrie verkaufen/müssen.
Schon gar nicht ist es eine Kritik am Parlamentarismus, der hier seinen demokratiefeindlichen technokratischen Charakter zeigt. Die Parteien erweisen sich hier einerseits als Organisationsformen von Demagogie in Verbindung mit Kapitalwachstum, andererseits bedienen sie sich opportunistisch des Protests. Was die Bürgerbewegung ganz und gar nicht im Auge hat, ist eine Demokratie gleichberechtigter und autonomer Produzenten.
 
Nicht dass es die Schuld dieser liberalen Bürger wäre. Was können sie dafür, dass die „Arbeiterklasse“ mit dem Kapital und seinem Modernisierungswahn verkuppelt ist und von deren Seite keine Alternative mehr zu erwarten ist? Der „Politik“ nur die Möglichkeit geblieben ist, dem immer mehr aufgeblähten Kapitalismus Schattierungen von Wohlfahrt abzuzwingen?

Immerhin ein Unbehagen an der kapitalistischen Technokratie, ein bisschen Naturerhalt, ein bisschen Zoo in der Stadt.
 
Ist es wirklich richtig, dass ich mich hier so abfällig über diese Schicht äußere? Sind das nicht die einzigen und letzten, die gegen die Verblödung durch CDU, Kirche und Kapital ankämpfen, mit Freiheitssensibilität und Widerwillen gegen die herrschenden Technokraten, die ihre „Demokratie“ seit Mappus wieder mit der überlebten Klientel der Spießbürger verbinden wollen?

Weil aber hinter dem individuellen Freiheitsdrang nicht das Prinzip der Autonomie aller sondern der private Vorteil, das alte Konkurrenzprinzip steht, ist von dieser Bewegung keine Veränderung zu erwarten. Leider.

Freitag, 8. Oktober 2010

Merkel und die Feigheit

Ein Taliban begeht einen Selbstmordanschlag auf eine gut geschützte und gepanzerte Hightec-Truppe der Deutschen. Merkel findet das „feige“. Es wäre jetzt zu einfach, das einfach blöd zu finden und auf einen Mangel an Intelligenz zu verweisen. Gegenüber dem Vermögen zur eigenen Durchsetzung und Machtergreifung verhält sich Intelligenz ohnehin umgekehrt proportional.

Was steckt da hinter dem Wort „feige“?

Feige Schlappschwänze sind vielleicht Wehdienstverweigerer, Deserteure, es sind keine richtigen Männer. Aus dem Munde einer Frau klingt das wohl besonders beeindruckend.

Freilich haben dieses Adjektiv auch schon die 74 regierenden Leutnants aus der Nazizeit unter dem Chef H. Schmidt gegen die RAF verwendet. Aber die RAF wollte ja „feigerweise“ ihr eigenes Leben schonen, übrigens wie auch Schmidt, Strauß et alteri.

Ist es mutig, wenn ein Überlegener einen Unterlegenen angreift? Etwa ein Erwachsener ein Kind? Oder ein gut ausgerüsteter deutscher Soldat einen miserabel bestückten Taliban?

Also Töten ist mutig, Selbstmord ist feige? – Was für eine rhetorische Kloake! - Diese Frau ist mit Mehrheit zur Kanzlerin gewählt worden! Man sollte ihr eine AK-47 geben und sie in die Berge Afghanistans schicken, damit sie zeigen kann, was mutig und feige ist.

Dienstag, 28. September 2010

HARTZ 4


Im Zusammenhang mit den Diskussionen um die angebliche Hatz4-Erhöhung lese ich von einer Statistik der EVS, schaue mir die näher an:
und sehe dort auf Seite 32 Erstaunliches:
 
Einkommen und Einnahmen sowie Ausgaben privater Haushalte 2008
1.2 nach der sozialen Stellung der Haupteinkommensbezieher und –bezieherinnen

Ausgabefähige Einkommen und Einnahmen
Davon nach der sozialen Stellung der Haupteinkommensbezieher/-innen

Haushalte insgesamt:             2 965
Selbstständige:                       4 241
Beamte/Beamtinnen:             4 460
Angestellte:                             3 551
Arbeiter/-innen:                       3 107
Arbeitslose:                             1 213
Nichterwerbstätige:                2 316
Rentner/-innen:                       2 150
Pensionäre/Pensionärinnen:  4 385

Jemand, dem ich das erzähle, zweifelt an den Zahlen. Ich weiß auch nicht, ob ich es glauben will. Aber es könnte ja sein und würde diese Gesellschaft und was in ihr vorgeht doch sehr gut erklären. Würde mir erklären, wenn ich herumgehe und die Häuser, die Villen, die Besitztümer, die Läden usw. anschaue – etwas, was ich mir abgewöhnt habe überhaupt noch wahrzunehmen, weil es nicht zu meiner Welt gehört.
Natürlich erscheint angesichts dieser Zahlen das Hartz4Geschachere der Regierung und der Mehrheit der „Bevölkerung“, von denen fast zwei Drittel für Senkung oder Beibehaltung des alten Hartz4Satzes ist, ausgesprochen schäbig, kleinlich und asozial.
Aber ich bleibe dabei: Statt sich um Cents für das oder jenes einzusetzen, sollten die linken Sozialarbeiter sich auf eine anständige Berechnung des zum Leben Notwendigen konzentrieren und diesen Satz dann für alle fordern;
Hartz 4 für alle!

Sonntag, 19. September 2010

LANDGERÜCHE

Landluft, sie riecht, sie stinkt aber auch. Da ist das Heu, der Waldgeruch, der bei Nacht durch das offene Fenster zieht, der Geruch von Kuhstall, von Pferden.
Dann aber der Gestank der Schweine, die hier in Fabriken zu Hunderten gehalten werden. Oft weit draußen außerhalb der Siedlungen. Nur der Gestank und die Schreie verraten sie. Das ist der Fraß für die Deutschen. 54 kg schlingt der Durchschnittsdeutsche im Jahr herunter, pro Tag also so 150 Gramm. Wenn mich das ekelt, ist das nicht wegen einer Tabuisierung des Schweins und seines Fleischs, sondern wegen der dummen und rücksichtslosen Gier, mit der diese Deutschen die damit vollen Einkaufswagen vor sich und ihren Fettbäuchen herschieben, die Gedankenlosigkeit, mit der sie die verwürzten Würste in sich hineinstopfen. Abgesehen von der Barbarei, mit der die Tiere gehalten werden. Hier wird der Auftrag der christlichen Bibel konsequent fortgesetzt: „Macht euch die Erde untertan“!
Je weniger Einkommen, desto mehr Fleisch wird gegessen.
Von der alten Kuhstallatmosphäre mit diesem spezifischen Geruch, einer Mischung aus Stroh, Heu und Mist, ist nicht viel geblieben. Es sind Fleisch- oder Milchindustriehallen. Früher war mancher Stall ganz aus Holz, verbreitete ein Gefühl von Wärme, so dass die Menschen oft ihre Schlafzimmer über dem Stall hatten oder sich wie bei Zola in „Die Erde“ an Winterabenden im Kuhstall trafen, um sich dort Geschichten zu erzählen oder sonstwie den Abend zu verbringen. Meine Kindheitserinnerungen an den Hof einer Großmutter sind die an eine magische Traumzeit.
Neuerdings kommen auf dem Land die Biogasanlagen dazu. In den letzten 6 Jahren hat sich ihre Zahl verzehnfacht, großzügig gefördert mit 6/8 c/kWh. Inzwischen gibt es keine brachliegenden Flächen mehr, es wird schwierig Pachtland zu finden. Zwar mag CO2 und sonstiger Klimakillergasausstoß gegenüber Heizöl auf etwa die Hälfte reduziert werden, aber die großen Flächen von Maismonokultur verbrauchen mit fossilen Brennstoffen produzierten Dünger, verbrauchen die begrenzten Phosphatvorräte, benötigen Pestizide – und verbreiten Gestank und den Lärm der Kraftwerksanlagen, der überdimensionalen Transportmaschinen, die im Umkreis von 20 km ihre Fracht heranfahren.
Der Geruch der Erde ist vermengt mit Diesel. Der spezifische Geruch der Kartoffelernten ist kaum mehr zu erleben. Der Geruch des reifenden Getreides war für mich schon seit Kindheit verbunden mit den Pestiziden, die man darauf spritzte.
 
Der Kapitalismus hat verschiedene Gesichter:
durch immer fortschreitende Rationalisierung vereinfacht er das Leben. Hat 1900 ein Bauer vier Menschen ernährt, so sind es heute 143 (2004).
dafür wird die Natur zur Industriefläche, verliert ihren autonomen Charakter, genauso wie die Menschen ihre Autonomie verlieren und zu einer Funktion der Arbeit und des Gelderwerbs werden.

Von den ca. 17 Mio. landwirtschaftlich genutzter Flache werden über 2 Mio. für Energiepflanzen genutzt, also ca. 12%. Damit werden ca. 10% des heutigen Energiehungers befriedigt. Selbst wenn sich das verdoppeln ließe, würde das nie ausreichen. Es gibt nur einen Weg: Energieverbrauch reduzieren, SPAREN!! Oder Krieg, Klassenkrieg und Barbarei.

Freitag, 10. September 2010

SARRAZIN ODER DIE GROSSE HEUCHELEI

Vor allem von der angeblich linken Seite wird gegen Sarrazin polemisiert, ungefähr in dem Ton: Rassismus, Faschismus und dergleichen mehr. Klar, dass Sarrazins Äußerungen über Vererbung Schrott sind, auch wenn die große Mehrheit daran glaubt, vor allem die große Mehrheit der Lehrer. Grade sie machen täglich die Erfahrung, dass sie mit den Schülern ihrer Schicht viel besser arbeiten können als mit den „Chaoten“ der Unterschicht. Was mir einmal ein Lehrer gesagt: „Ein guter Lehrer erkennt sofort in einer Klasse, wer gut oder schlecht abschließt“ ist pädagogisches Allgemeingut, ein Grund sich um die Schlechten gar nicht mehr zu bemühen.
Warum begreifen diese scheinbar Linken nicht, dass was Sarrazin da sagt, doch „Common Sense“ ist. Wie ist es möglich, dass der eine demokratische Grundüberzeugung hat, der immer nur irgendwelche Führer beschuldigt? Er hat einfach keine demokratische Einstellung. Er ist überzeugt, dass Politik ein Kampf der Eliten ist und dass er natürlich zu diesen Eliten gehört. Das ist das Elend aller Verschwörungstheoretiker: sie glauben tief im Innersten nur an die Macht und an die Mächtigen. Die Entwicklung dieser „Sozialisten“ ist historisch durchgespielt. Es kommt bei ihnen auch hinzu, dass sie Erfahrungen, die Menschen zu diesen Einstellungen und Irrtümern führen, nicht ernst nehmen, weil sie nicht mit Menschen reden wollen, weil sie sie nicht ernst nehmen, weil sie alle außer den Mächtigen für Idioten halten, weil sie nicht argumentieren können oder wollen. Schlimmer noch, weil sie überhaupt nichts verändern wollen, weil sie Feindschaften genauso lieben wie ihre Feinde.
Aber um ehrlich zu sein, ich glaube an die Unveränderbarkeit dieser „Linken“ genauso wie an ihre erworbene Dummheit. Es lebt sich so schön im linken Milieu, an seine Geschlossenheit und Unzugänglichkeit, seinem erlesenen Elitemilieu und den vielen Ausschließungsmerkmalen. Nicht Jeder soll dazugehören. Geschlossene Gesellschaft. Abgrenzung. All das, was sie an Sarrazin so bemängeln.
Oft sind es die gleichen „Linken“, die in ihren Berufen in asymmetrischen Beziehungen zu anderen Menschen stehen, sei es als Lehrer, Betreuer, Erzieher, Sozialarbeiter usw. Genauso wie sie an die Intelligenz und ihr Primat glauben, so glauben sie – und das noch viel mehr – an ihre eigene Intelligenz und Überlegenheit.
Warum nicht die Frage stellen, was hinter den Ressentiments gegen Fremde ist, diese Mischung verschiedenster Gefühle? In welchem Verhältnis sie zu Verstand und Moral stehen, was auf biografischer Erfahrung, Charakterbildung und Charakterlosigkeit aufbaut, was an gewaltsamer Vergesellschaftung und was an sozialer Verwahrlosung, was an dem Einfluss von Medien und was an Kommunikationsdefiziten. Warum nicht, bevor man zum Moralisieren übergeht oder nach der Moral ruft, zuerst bei der Erkundung des Wissbaren, dem „wissenschaftlichen Sozialismus“ bleiben?