Der HartzIV-Satz reicht für Kinder nicht aus. Ob mehr Geld die Situation verbessert, lässt sich diskutieren. Von mir aus Gutscheine, besser als nichts.
Aber Gutschein oder Bildungschip, was ist inhaltlich dahinter? Einmal ist es keine garantierte Leistung. Sie hängt ab von Sponsoren, Haushaltslage etc. Der eine bekommt das, der andere dies. Abgesehen davon, dass es zu Streit führt, - wer wird über die Verteilung entscheiden?
Eine Ahnung, um welcher Art von Entscheidern es sich handelt, lässt sich aus den Diskussionen in den Medien heraushören. Auch die angepeilten Inhalte verraten es: Bildung, das ist Nachhilfe, das ist Musikschule, das ist Sportverein…
Zur Nachhilfe: ein Großteil der zu Fördernden kommt aus dem Migrationsmilieu. Es ist sinnlos, aus ihnen nun fleißig eifrige, gute Deutsche machen zu wollen, möglichst Facharbeiter, die in 10 oder 20 Jahren gesucht werden. Zunächst muss der kulturelle Identitätskonflikt begriffen werden, in den sie geraten, wenn sie sich in deutsche Institutionen begeben. Ihr Selbstverständnis muss thematisiert und formuliert werden, die Kinder müssen ihre Problematik reflektieren und ausdrücken lernen, die Frage beantworten können, was sie wollen und nicht wollen. Ob sie das deutsche asoziale Konkurrenzverhalten übernehmen oder die Solidaritätsstrukturen ihrer Herkunftsfamilie nicht in Frage stellen, oder einen Kompromiss finden wollen.
Hört man die Integrationsexperten, mit ihren Vorschlägen frühkindlicher Erziehung etc., hört man daraus das alte faschistische Modell vom formbaren und dem System nützlichen Menschen.
Sport und Musik wird als soziokulturelles Bildungsinstrument gepriesen. Aber aus der Erfahrung mit meinen Kindern kann ich das nur als Unsinn ansehen. Die Sportvereine sind überhaupt nicht in der Lage, Kinder zu integrieren. In der Regel geht es nur um Teilnahme an Wettbewerben. Es wird Leistungsdruck aufgebaut, mit den Kindern wird nicht gesprochen, es gibt keine Gemeinschaft und keine Solidarität. Die Trainer sind asoziale Idioten, die mit anderen Menschen nur in einer aggressiven und nichtintegrativen Weise umgehen. - Ein Turnverein wollte aus meinem Sohn einen Turner machen. Die Trainingszeiten wuchsen ins Maßlose, ständige Wettbewerbe, Fahrten im ganzen Land, es war nur noch ein Horror.
Musik ist von der gleichen Konkurrenzidee geplagt. Das Ideal der Musiklehrer ist der ehrgeizige Schüler, der eine Solokarriere im Auge hat. Ein Instrument zu beherrschen ist schön und gut, lohnt die dafür erforderlichen Mühen, aber das Kernziel sollte das von Lehrern unabhängige Spiel in Gruppen, Ensembles, Bands, Orchestern sein, die Förderung von musikalischem Ausdruck in einem sozialen Rahmen und nicht die musikalische Karriere bürgerlichen Individuen, wie es die Musikschulen mit ihren Wettbewerben idealisieren.
Mit dem Bildungschip wird also heftig Wind gemacht, die Probleme darunter werden verleugnet oder ignoriert, die Mittelschicht wird mit ihren konkurrenzorientierten Betreuungsdienstleistungen ein gutes Geschäft machen. Von Demokratie und Autonomie als tragenden Werten, kann keine Rede sein.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen