Ich weiß nicht. Geht das? Einerseits erscheint mir Ernst oft unnötig arrogant, zu Feindschaften neigend auch da, wo es nicht nötig wäre, sicher schwierig im Umgang, meinetwegen Macho, zur Selbstisolation tendierend, andererseits braucht ein solcher Mensch seine Erlebnisse von Triumph und Arroganz, leicht ausdrückbar durch einen roten Porsche. Also psychologisch irgendwie verstehbar.
Andererseits zeigt es doch ein dümmliches Bewusstsein von Ökologie und sozialer Gerechtigkeit. Das ist die alte Sozialdemokratie. Die Welt machbar und beliebig ausbeutbar. Vorteil für den, der an die Sache rankommt. Da ist die Arbeiterklasse der siamesische Zwilling der Kapitalistenklasse. Gestritten wird nur noch darüber, wie der Anteil am Verzehr der Produkte ist. Es geht um die Verteilungsfrage, nicht nach welchen Prioritäten die Produktion abläuft.
Schon bei Lafontaine war die Argumentation immer keynesianisch. Immerhin werden dabei die Klassenunterschiede thematisiert und rhetorisch ist Lafontaine imponierend. Die unverschämte Verve, mit der er von den Bürgerlichen gnadenlos und dümmlich angegriffen wird zwingt zu seiner Verteidigung und zu ihm zu stehen. Aber da ist kein Konzept der Demokratisierung der Produktionsverhältnisse, keine Konzeption zur ökologischen und sozialen Umstrukturierung. Es ist die Politik als Schaukampf, als öffentliches Theater, als öffentliche Handhabung von Argumenten und Medien. Kein Wunder, dass Lafontaine die Bildzeitung benutzt.
Aber braucht man nicht solche Figuren, um die Menschen nicht abzuschrecken, die zu erreichen, die etwa mein radikales Bewusstseinniveau nicht erreicht haben, die Sache nicht konsequent durchdacht haben? Um also überhaupt politische Wirkung in Opposition zu den Herrschenden zu aktivieren?
Ich glaube, man muss den Frust durchhalten, nicht an Erfolgen partizipieren zu können. Es lässt sich ja bei den Grünen beobachten, welche desaströsen und asozialen Kompromisse die Machtpartizipation einbringt.
Sieht man die menschliche Geschichte als gigantische Fehlkonstruktion, ist man in der Lage, das was an Qualitäten verlorengegangen ist, neu zu denken. Überhaupt zu denken, worauf der Mensch auch gerichtet ist, worauf er verzichten muss und was er unterdrücken muss.
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