Mittwoch, 16. Juni 2010

Messias Obama

Der in Deutschland wie ein Heiland bejubelte Obama, Friedensnobelpreisträger, macht Wundern: nix mit
- Auflösung von Guantanamo
- Abzug aus Irak und Afghanistan
- Abbau von Atomwaffen
- Friedensvermittlung im Nahen Osten
 
Statt dessen:
- mehr und mehr gezielte Tötungen
- mehr Aggressionen in Afghanistan
- Erlaubnis für Offshore-Ölbohrungen
- Sabotage des Klimagipfels in Kopenhagen
 
Ich fand es nett, dass mit Obama nun ein Schwarzer Präsident werden würde, aber schon damals hat mich sein Auftreten irritiert: Was soll dieses entschiedene, leicht aggressive und Selbstbewusstsein betonende Auftreten? Ist es ein Trick, mit der man die spießbürgerlichen aggressiven Amerikaner für sich einnimmt, ihre Autoritätshörigkeit ausnützt? Spielt er den Volkstribun für die zornigen Underdogs in der amerikanischen Gesellschaft, die zornige unterdrückte Mehrheit? Oder spielt er nicht nur den starken Mann – nicht ganz altersadäquat – sondern wünscht, es zu sein und kommt so auch den Wünschen seiner Wähler nach?
Vielleicht führt er einen Stil in das Amt ein, der den Boden für eine Faschisierung der amerikanischen Gesellschaft bereitet.
Gesundheitsreform war ein Volkstribunprojekt, aber es läuft auf Kosten der Umwelt und zu Gunsten der skrupellosen Energieverschwendung.
 
Die Kontrolle des Finanzmarkts kann man nicht als gelungen bezeichnen. Bis jetzt die Trennung von Banken für Finanzderivaten und Investmentgeschäfte von „echten“ Banken. Mehr als hier denkbar ist. Aber das eine Regulierung nennen? Die Fed ist ja nichts anderes als ein Konglomerat von Privatbanken, die die Geschäfte natürlich in ihrem Sinne abwickeln.
Immerhin: die Trennung von spekulativen von „seriösen“ Geschäften macht die Kunden sicherer. Spekulative Geschäfte drehen sich um Bereiche, die starken Preisschwankungen unterliegen: Immobilien, Kunst, Gold und andere Rohstoffe, Aktien. Nun sind allerdings viele Rentenversicherungen in den spekulativen Bereich verstrickt, sogar einer der Hauptmotoren. Und es werden von den Spielcasinos neue Verbindungen zum „realen“ oder produzierenden Wirtschaftsbereich errichtet werden, denn auf die Dauer bleibt der spekulative Bereich nur interessant, wenn er seine Gewinne auch im realen Bereich konsumieren kann. Das wie auch immer vervielfachte Geld muss andererseits wieder aus dem realen Bereich stammen.
Die Trennung von produktivem und Finanzkapitalismus ist freilich nicht mehr möglich: die beiden Bereiche sind miteinander verflochten und füreinander essentiell geworden.
Eine politische Kontrolle des Kapitals ist in Amerika nicht denkbar. Die amerikanische Gesellschaft ist von der Droge Kapitalismus abhängig. Nur über die imperialistischen Mechanismen des amerikanischen Kapitals lässt sich der brutal parasitäre Lebensstandard der USA aufrechterhalten, diesem Konglomerat von aggressiver politischer Dominanz und wirtschaftlicher Ausbeutung anderer Länder. Die Alternative, nämlich Rückkehr zu einer Art von geplanter Naturalienökonomie, Arbeit, „Armut“ und Einschränkung, wird sich nicht durchsetzen. Das ist nur denkbar für die „Unterprivilegierten“, wie sie in spaßiger Manier genannt werden.
 
Obama erinnert mich an die Rolle der germanischen Heerführer im ausgehenden römischen Reich. Sie zeigen die innere Zersetzung, eine große integrative Kraft, ohne aber dabei dem Reich eine neue Richtung zu geben. Mehr als zu kämpfen, Machtpolitik zu betreiben, war nicht in ihrem Programm. Obama verkörpert einen Gerechtigkeitsdrang gegen die arroganten Eliten, festigt aber so nur den Irrglauben an das amerikanische System.
 
Heute hielt Obama eine interessante Rede, wo von der Notwendigkeit des Umschwenkens auf erneuerbare Energien die Rede war, auch dass die USA die Energiereserven der übrigen Welt für sich ausnutzt. Das zeigt, dass immerhin bei Obama ein Bewusstsein um die Verhältnisse da ist und er vielleicht nicht mehr die Strategie der Verleugnung, Vernebelung und Lüge weiterverfolgt und also eine Chance bestünde, dass er wenigstens Aufklärung betreibt, wenn er die Verhältnisse schon nicht ändern kann.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen